Prozess gegen Meşale Tolu geht weiter

Gestern ist der Prozess in Istanbul gegen die deutsche Journalistin Meşale Tolu weitergegangen. Der Vorwurf gegen die Journalistin kurdischer Herkunft: “Terrorpropaganda” und “Mitgliedschaft in einer Terrororganisation”. Sie ist nur eine von mehr als 200 Medienschaffenden, die in den letzten viereinhalb Jahren wegen ihrer Arbeit in türkischen Gefängnissen saßen. Reporter ohne Grenzen fordert, Tolu endlich freizusprechen.

Russischer Journalist bei Studioaufnahme verprügelt

Der russische Journalist Ruslan Totrov war am 21. Januar im Studio, um einen Videoblog aufzunehmen. Da drangen zwei Männer ein und verprügelten ihn. Sie drohten ihm mit Mord, sollte er nicht mit seiner Berichterstattung stoppen. Die Angreifer identifizierte Totrov als Mitglied des regionalen Verteidigungsministeriums und einem Vertrauten des Präsidenten der Region. Das Committee to Protect Journalists fordert die Aufklärung des Falls und bietet weitere Informationen.

Der Kampf gegen die Desinformation durch die russische Regierung

Vladimir Sevrinovsky bereiste als unabhängiger Journalist alle 85 Regionen Russlands und berichtet über soziale und kulturelle Missstände Russlands, zuletzt über die Pandemie im Land. Während er dabei noch relativ frei arbeiten konnte, war das bei seinen Kollegen nicht der Fall. Von diesen Schwierigkeiten und seiner Arbeit erzählt er in einem Interview mit dem Committee to Protect Journalists.

Einsatz für LGBTQI-Rechte – August-Kolumne im Gießener Anzeiger

Künstlerin Julia Tsvetkova ist auf dem Bildschirm eines Laptops während des Video-Chats mit dem dpa-Korrespondenten zu sehen. Foto: dpa

Künstlerin Julia Tsvetkova ist auf dem Bildschirm eines Laptops während des Video-Chats mit dem dpa-Korrespondenten zu sehen. Foto: dpa

Sich für LGBTQI-Rechte einzusetzen, ist für den russischen Staat gleichzusetzen mit der Propagierung von Homosexualität. Deswegen drohen der russischen Aktivistin Yulia Tsvetkova nun mehrere Jahre Haft. Mit der heute erschienenen Kolumne möchten wir auf ihren Fall aufmerksam machen.

Sorge um Narges Mohammadis Gesundheit vertieft sich

16 Jahre soll die iranische Schriftstellerin und Journalistin Narges Mohammadi wegen ihrer Tätigkeit als Menschenrechtsaktivistin absitzen. Schon im Vorfeld war sie gesundheitlich angeschlagen (wir berichteten schon vor zweieinhalb Jahren über ihren Fall). Nun hat sie sich auch noch mit COVID 19 angesteckt, was ihre Lage noch gefährlicher macht. Deswegen fordert PEN International ihre sofortige Freilassung. Mehr Infos zu ihrem Fall und Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, finden sich hier.

Schreiben als Ausbruch aus dem Gefängnis

Eine eigene Form des Ausbruchs nutzt der türkische Autor Ahmet Altan, der im Zuge des türkischen Putschversuchs inhaftiert wurde: Während seiner Haft schrieb er eine Reihe von Essays mit dem Titel „I will Never See the World Again“, die er durch seine Anwälte aus dem Gefängnis schmuggeln ließ. Letztes Jahr erhielt er dafür den 50.000 Pfund dotierten Baillie Gifford Preis. Gerade schreibt er an einem Roman mit dem Titel „Lady Life“. The Observer berichtet ausführlich über sein Schicksal.

Fünf Journalisten aus türkischer Haft entlassen

Als Unterstützer von Terrorgruppen waren fünf Journalisten der Tageszeitung „Cumhuriyet“ letztes Jahr festgenommen und verurteilt worden. Der Vowurf: Sie hätten den im Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen unterstützt, der angeblich hinter dem Putschversuch gegen Erdogan stehen sollte. Nun sind Musa Kart, Guray Oz, Onder Celik, Mustafa Kemal Gungor und Hakan Kara endlich wieder frei. Eine Ausreisesperre besteht jedoch noch, sodass sie das Land vorerst nicht verlassen dürfen. Mehr Infos gibt es beim Spiegel.

Oleg Senzow nach einem Jahr Haft frei

Wir freuen uns unglaublich: Oleg Senzow ist frei! Im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen Russland und der Ukraine ist er nach mehr als einem Jahr Haft frei gekommen. Zuletzt berichteten wir im Rahmen unserer Kolumne über das kürzlich erschienene Buch „Leben.Geschichten“ des ukrainischen Regisseurs und Autors. Mehr Informationen gibt es bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ugandische Schriftstellerin zu 18 Monaten Haft verurteilt

Anfang August wurde die ugandische Schriftstellerin Stella Nyanzi zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Grund: Online-Belästigung, denn auf Facebook kritisierte sie den ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni. Der PEN ist davon überzeugt, dass sie nur verhaftet wurde, weil sie das Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen habe. Dr. Danson Kahyana, Präsident des ugandischen PEN, befürchtet, dass Leute jetzt davor zurückschrecken werden, ihre Meinung online auszudrücken. Mehr Infos finden sich hier.

Yücels Haft war rechtswidrig

Wir haben immer wieder auch auf Deniz Yücels Fall hingewiesen. Nach seiner Freilassung 2018 folgt nun eine weitere gute Nachricht: Der türkische Verfassungsgerichtshof bestreitet zwar weiterhin, dass Yücel in Untersuchungshaft gefoltert worden sei – trotz dessen gegenteiliger und glaubhafter Aussagen. Doch es stellt fest, dass Yücels Verhaftung rechtswidrig gewesen sei. Das Urteil weist damit auch Edogans Allmachtsanspruch zurück und ist ein kleiner Sieg für die Meinungsfreiheit. Mehr Infos findet ihr bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.