Neuer Vorstand gewählt

Am 26. August fand unsere diesjährige Jahreshauptversammlung statt. Dort haben wir auch einen neuen Vorstand gewählt: In ihren Ämtern bestätigt wurden unsere Vorsitzende Madelyn Rittner, der stellvertretene Vorsitzende Michael Novian und unsere Kassiererin Lena Frewer. Neu dazu gekommen ist Lydia Bisch als stellvertretende Vorsitzende. Wir danken Michael Weise, der sich nicht erneut zur Wahl gestellt hatte, herzlich für sein langjähriges Engagement im Vorstand.

DW-Beitrag über unsere Stipendiatin Victoria Feshchuk (Übersetzung)

(Dieser Text wurde mithilfe des Deepl-Übersetzers vom Ukrainischen ins Deutsche übersetzt. Der ursprüngliche Artikel ist hier nachzulesen: https://www.dw.com/uk/ukrainska-poetka-pyshe-virshi-na-dveriakh-kvartyry-v-kasseli/a-62780259)

EIN FENSTER NACH DEUTSCHLAND

Ukrainische Dichterin schreibt Gedichte auf Wohnungstüren in Kassel

In Deutschland wurde ein neues Programm zur Unterstützung von Schriftsteller*innen, Journalist*innen und Künstler*innen ins Leben gerufen, die ihr Heimatland verlassen mussten. Die erste Stipendiatin ist eine ukrainische Dichterin.

Als Reaktion auf die zunehmende Verfolgung von Aktivist*innen, Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Journalist*innen in der ganzen Welt im und im Besonderen mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine wurde in Hessen ein neues Programm zur Förderung von Künstler*innen aus Ländern, in denen die Meinungs- und Schaffensfreiheit bedroht wird, ins Leben gerufen: „Hafen der Zuflucht Hessen“. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein „Gefangenes Wort“, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und der Stiftung Brückner-Kühner, die Schriftsteller*innen im In- und Ausland unterstützt. Das erste Stipendium ging an die ukrainische Dichterin und Übersetzerin Victoria Feshchuk aus Kiew, die damit bis Ende des Jahres in Kassel leben und arbeiten kann.

Ukrainische Stipendiatin von hessischer Ministerin begrüßt

Die hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn traf während ihrer Sommerreise die junge ukrainische Schriftstellerin in den Räumen der Brückner-Kühner-Stiftung. „Ich danke dem Verein Gefangenes Wort und der Brückner-Kühner Stiftung, dass sie dieses Stipendium so schnell organisiert haben und wir Victoria Feshchuk in unserem Bundesland Hessen willkommen heißen“, sagte die Ministerin bei ihrem Besuch. „Mit diesem Programm unterstützen wir Künstler, Journalisten und Autoren, die Bedrohungen ausgesetzt sind, und geben ihnen die Möglichkeit, ihre Arbeit fortzusetzen.“

Putins Krieg gegen die Ukraine, die gewaltsame Unterdrückung Andersdenkender in Russland und Weißrussland, die Situation in Hongkong und die Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan sind allesamt große Bedrohungen für die Freiheit der Meinungsäußerung, der Kunst- und der Wissenschaftsfreiheit. „Mit dem neuen Programm will das Land Hessen dazu beitragen, demokratische Werte zu erhalten und zu schützen“, so Angela Dorn.

Ukrainerin erhält erstes Stipendium im Rahmen des neuen Programms

Victoria Feshchuk wurde 1996 in der Region Rivne geboren und arbeitet als Journalistin, Übersetzerin und Theaterautorin. Sie hat mehrere ukrainische Preise erhalten und ist Autorin von Büchern und Übersetzungen russischer, polnischer und englischer Texte. Das Stipendium unterstützt Künstler*innen aus verschiedenen Ländern beim Aufbau kreativer Kontakte und der Zusammenarbeit mit Kollegen in Deutschland sowie bei der Organisation ihrer öffentlichen Auftritte. Die Stipendiat*innen bekommen auch die Möglichkeit, an Veranstaltungen auf der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen.

„Das Landesprogramm Hafen der Zuflucht Hessen wurde im April 2022 gestartet. Der Verein unterstützt seit 2018 Schriftsteller und Journalisten, die in ihrem Heimatland interviewt werden“, sagt Projektleiterin Susann Franke der DW.

Laut Franke wird im Herbst dieses Jahres eine weitere Person in das Programm aufgenommen werden. Es ist nicht genau bekannt, um welches Land es sich handelt.

Die Geschichten an den Wohnungstüren

Der Verein „Gefangenes Wort“ unterstützt seit mehreren Jahren unterdrückte Schriftsteller*innen und Journalist*innen in ihrer Heimat mit Spenden für Material und Ausrüstung oder Anwälte, die sich für ihre Rechte einsetzen.

Das Projekt finanzierte die Unterkunft und das Arbeitsstipendium für die ukrainische Staatsbürgerin Victoria Feshchuk in Kassel. Victoria ist nun dabei, sich einzugewöhnen: Die Tür ihres Zimmers, auf der sie den Text ihrer neuen Werke markiert, ist zu einem Symbol ihrer Arbeit geworden. DW hat sich mit der jungen Dichterin in Verbindung gesetzt und sie gebeten, uns von sich und ihrem neuen Leben in Deutschland zu erzählen.

„Ich kam am 19. Juli dieses Jahres auf Anfrage der Brückner-Kühner-Stiftung aus Kiew nach Kassel. Ich bekam ein Zimmer hier im Dichterhaus, und seitdem lebe und arbeite ich dort. Ich freue mich, hier zu sein. Vom ersten Tag des Kriegsausbruchs an, am 24. Februar dieses Jahres, begann ich, ein Gedicht zu schreiben und jeden Tag drei Zeilen hinzuzufügen. Das Gedicht wird so lang sein, wie der Krieg dauert. Es gibt jetzt 168 Stücke Text, jeweils drei Reihen. Es wurde begonnen, es ins Deutsche zu übersetzen“, sagt die 26-jährige Dichterin.

In Kiew studierte Feshchuk ukrainische Philologie und arbeitete für ein Onlineportal über ukrainische Kultur und den Buchverlag Chitomo. Ihre Werke sind in Anthologien erschienen und sie wurde mit mehreren Preisen für junge Schriftsteller und Dichter ausgezeichnet. Ihr künstlerischer Weg hat gerade erst begonnen. Doch der Krieg hat alles verändert und sie um klare Pläne und Perspektiven gebracht. „Sie wissen nicht genug über die ukrainische Kultur und Literatur in Deutschland, und es ist wichtig für mich, so viel wie möglich darüber zu erzählen“, sagt Feshchuk.

Ihre Familie und engen Verwandten leben noch in der Region Rivne, wo sie geboren wurde und aufgewachsen ist. Sie rufen jeden Tag an. „Es ist schwierig, unter ständiger Angst und weit weg voneinander zu leben, vor allem, wenn in der Heimat Krieg herrscht“, sagt Feshchuk.

„Ich hoffe, Ende des Jahres nach Kiew zurückzukehren und meine Arbeit in meiner Heimatstadt fortzusetzen. Im kulturellen Raum der Ukraine gibt es viel Arbeit, viel Geschichte, die es der Welt zu vermitteln gilt“, fügt sie hinzu.

 

W.i.E. erzählt… Umar Abdul Nasser

Photo credit - Maximilian Gödecke

Photo credit – Maximilian Gödecke

Der irakische Schriftsteller, Dichter und Filmemacher Umar Abdul Nasser versteht es, Lyrik, Musik und Bilder miteinander zu verknüpfen. Der Autor liest aus seinen Texten und untermalt diese multimedial. Seine Arbeit wurde vom IS als unvereinbar mit dem islamischen Recht angesehen. Seine Gedichte erzählen von Frieden und Freiheit.

Umar Abdul Nasser (*1985) ist ein irakischer Schriftsteller, Dichter und Filmemacher. Er versteckte sich zwei Jahre lang vor dem IS, bevor er es schaffte, das Land für ein Stipendien-Aufenthalt bei ICORN in Breslau (2017 bis 2019) zu verlassen. Von Juli 2019 bis Juni 2022 war er Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland und des Vereins „Weimar – Stadt der Zuflucht“.

Wann: 15. September 2022, 19:30 Uhr

Wo: Prototyp, Georg-Philipp-Gail-Straße 5, 35394 Gießen

Eintritt frei

Um Spenden wird gebeten.

Eine Kooperation von Gefangenes Wort und ZellKultur – Büro für angewandte Kultur und Bildung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe “Leseland Hessen”.
Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Medienpartner hr2-Kultur.

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Trauer um Katja Behrens

Wir sind tief traurig über den Tod von Katja Behrens. Die Autorin verstarb am Abend des 6. März. Sie war eine frühe Unterstützerin katja_behrensunseres Vereins und gab den Anstoß für die Gründung von Gefangenes Wort. Ihren Leitspruch “Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere Schreiben dürfen.” haben wir auch zu unserem gemacht. Mit ihr verlieren wir eine wichtige Schriftstellerin und Kämpferin für die Meinungsfreiheit.

Sacharow-Preis 2019 an Ilham Tohti

Der Sacharow-Preis für Menschenrechte geht in diesem Jahr an Ilham Tohti. Der uigurische Wirtschaftswissenschaftler ist seit 2014 infolge einer Verurteilung wegen “Separatismus” in einem chinesischen Gefängnis inhaftiert. Tohti setzt sich seit Jahren für eine Versöhnung im Konfilkt zwischen Han-Chinesen und Uiguren ein.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Oktober-Kolumne erschienen

In der Oktober-Ausgabe unserer monatlichen Kolumne im “Gießener Anzeiger” berichtet in diesem Monat Lena Frewer über den am 7. September erfolgten Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine. Unter den Freigelassenen befanden sich drei Journalisten, darunter auch der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow.

Den Artikel können Sie hier nachlesen.

Gemeinsame Veranstaltung mit der VHS in Allendorf im Rahmen unserer “Worte in Ketten”- Reihe am 19. Mai

Zobaen Sondhi

Foto: Stefanie Silber

Schon als Teenager engagierte sich Zobaen Sondhi für Menschenrechte (wie die Meinungsfreiheit) in Bangladesch. Trotz gewalttätiger Reaktionen gründete er mit anderen Aktivisten den Blog „Nobojug“ (New Age), auf dem er über Menschenrechtsverletzungen und den Islam schreibt. Als radikal-islamische Gruppen eine tödliche Jagd auf die Blogger begannen und die Regierung tatenlos dabei zusah, musste er schließlich fliehen.

Neben Zobaen Sondhi liest der Hörbuchsprecher und Autor Sven Görtz Texte verfolgter und verbotener Autoren aus Syrien, Russland, Kamerun, China, der Türkei und anderen Ländern.

Hier geht es zur Veranstaltung

Tag der Pressefreiheit am 03. Mai

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Bild: Zeynep Özatalay (taz Panter Stiftung)

Anlässlich des Tages der Pressefreiheit veröffentlicht die taz Panter Stiftung eine Sonderausgabe zu diesem Thema. In dem Artikel berichtet Ines Pohl über die derzeitige Lage in vielen Regionen der Welt und was zum Schutz der Pressefreiheit getan werden kann. Zudem appelliert sie sowohl an die Journalist*Innen als auch an die Politiker*Innen und welche Rolle diese im Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit spielen. Auch spricht sie die Rolle eines jeden Einzelnen an.

Den lesenswerten Artikel finden Sie hier

“Es bleibt alles liegen” – Nachlese zur Lesung mit Aziz Tunç, 20.02.2019

Am Mittwoch, den 20.02.2019, veranstalteten wir eine Lesung mit Aziz Tunç im Kerkradezimmer der Kongresshalle Gießen. Tunç ist kurdisch-alevitischer Herkunft und wurde 1956 im türkischen Elbistan geboren. Im Gespräch mit Zeynal Sahin vom Ausländerbeirat erzählte der Autor zunächst von seiner Erfahrungen mit Folter und wiederholten Festnahmen, die ihn seit den 1980er Jahren begleiten. Nur durch einen Zufall hielt er sich während des Putsches in der Türkei im Juli 2016 in Deutschland auf und lebt seither im Exil. IMG-20190221-WA0000

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v.l.n.r. Daniel Schneider, Aziz Tunç, Zeynal Sahin

Im Zentrum seiner Lesung stand ein Text aus seinem Buch zum Massaker von Marraş im Jahr 1978, bei dem 100 Menschen hauptsächlich kurdischer Herkunft starben. Der Autor trug den Text auf Türkisch vor, die Übersetzung wurde von Daniel Schneider vorgelesen. Er erzählte die Geschichte der Familie des Lehrers Süleyman, der 1978 in Marraş ermordet wurde. Aufgrund seiner Berichterstattung über dieses Ereignis war und ist er Verfolgungen und Repressalien durch den türkischen Staat ausgesetzt.

Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum ging es neben seiner Erfahrung als Autor im Exil vor allem um die Frage, wie sich die deutsche Gesellschaft gegen Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Diskriminierung religiöser Minderheiten positionieren und mobilisieren kann.

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Gruppenfoto der Vereinsmitglieder mit dem Autor

Auslieferung von Can Dündar seitens der Türkei beantragt

Die Türkei bittet um die Festnahme und Auslieferung von Can Dündar. Der Antrag hierfür wurde kurz vor dem Besuch Erdogans in Berlin übermittelt. Der offizielle Grund für die Festnahme Auslieferung soll der Vorwurf gegenüber Dündar auf Verrat, Spionage und Propaganda sein. Das Außenministerium äußerte sich bislang nicht hierzu. Der türkische Journalist und Autor lebt seit Juli 2016 in Deutschland im Exil. Er wurde kurz zuvor wegen seiner kritischen Berichterstattung zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Weitere Informationen gibt es hier

Pride-Zifferblatt von Apples Smartwatch in russischer Spracheinstellung nicht verfügbar

Das regenbogenfarbene Pride-Ziffernblatt von Apples Smartwatch ist nicht in russischer Sprache erhältlich. Diese grafische Variante der Selbstzensur von Seiten Apple lässt sich als Reaktion auf die schwierige gesetzliche Lage gegenüber Homosexuelle in Russland betrachten. Der Chef des Unternehmens, Tim Cook, hat sich selbst vor vier Jahren öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Der Artikel lässt sich hier einsehen.