Buchtipp: “Zuflucht in Deutschland” Texte verfolgter Autoren

Buchcover Zuflucht in DeutschlandJosef Haslinger zählt zu den wichtigsten  und engagiertesten deutschsprachigen Schriftstellern der Gegenwart. Seit 2013 ist der österreichische Bestsellerautor („Opernball“, „Phi Phi Island“) Präsident des PEN-Zentrums Deutschland. Zusammen mit Franziska Sperr hat er nun unter dem Titel „Zuflucht in Deutschland“ eine Anthologie mit Texten von verfolgten Autoren herausgebracht.

Am 16.05. um 19 Uhr findet im Literaturhaus Darmstadt eine Lesung und Gespräch mit Franziska Sperr statt, in der Sie als Herausgeberin und Vizepräsidentin des PEN zwei Darmstädter Stipendiaten Sanath Balasooriya und Enoh Meyomesse aus Kamerun mit ihren Texten aus der Anthologie vorstellt. Weitere Termine sind der 23.06 und der 10.11 (Mehr Details finden Sie hier).

“Zuflucht in Deutschland”
Texte verfolgter Autoren
Herausgegeben von: Josef Haslinger + Franziska Sperr 
ISBN: 978-3-596-29800-6
Fischer Taschenbuch, März 2017
Euro 9,99

Wortstark. Medien- und Meinungsfreiheit in Bangladesch

Der Verei2017-01-12 09.49.33n NETZ aus Wetzlar, der sich für Menschen in Bangladesch einsetzt, hat sich im vergangenen Jahr in einer Ausgabe der NETZ-Zeitschrift mit der Medien- und Meinungs-freiheit in Bangladesch auseinandergesetzt. Der Wandel der Medienlandschaft und die Rolle des Radios im bangladeschischen Unabhängigkeits- krieg werden dabei ebenso thematisiert wie der zunehmende Druck auf Medienmacher in Bangladesch. Die Ausgabe kann auf der Homepage der Organisation einzelnd bestellt oder heruntergeladen werden. 

Lebenslang für die Wahrheit

can_duendar_lebenslangIm November 2015 werden Can Dündar, Chefredakteur der regierungskritischen Tageszeitung »Cumhuriyet«, und Erdem Gül, Hauptstadtkorrespondent, verhaftet. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihnen Spionage und Verrat von Staatsgeheimnissen vor, Staatspräsident Erdogan stellt persönlich Strafanzeige und fordert lebenslange Haft. Hintergrund ist ihre Berichterstattung über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Extremisten. Nach drei Monaten kommen die Journalisten vorläufig frei. Anfang Mai beginnt der Prozess: Dündar wird zu sechs, Gül zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In »Lebenslang für die Wahrheit« erzählt Dündar die ganze Geschichte von der Entdeckung der geheimen Waffenlieferungen über die Entscheidung, das belastende Filmmaterial zu veröffentlichen, bis zu den Ereignissen, die der Veröffentlichung folgten: Die Drohungen, die er und die Redaktion erhalten haben, die Angst vor Terroranschlägen, seine Zeit in Einzelhaft. Dündars Aufzeichnungen aus dem Gefängnis zeigen, dass sein Widerstand ungebrochen ist und er nicht aufgeben wird im Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit.

Can Dündar: Lebenslang für die Wahrheit – Aufzeichnungen aus dem Gefängnis
Hoffmann und Campe Verlag
In einer Übersetzung von Sabine Adatepe

Weg sein – hier sein

Weg sein - hier sein - CoverWenige Themen werden in Europa mit mehr Leidenschaft diskutiert als das der Flüchtlinge. Doch die Betroffenen selbst nehmen daran nicht teil. Woher kommen sie eigentlich? Wie sah ihr Alltag aus, ihr Leben zwischen Wohnung, Arbeit, Familie, Freunden und Nachbarn? Welche Welt, welche Lieben und Sehnsüchte haben sie verlassen, und wie schwer ist es, in der neuen Welt einen Platz zu finden mit neuen Lieben und Sehnsüchten? Was löst es bei ihnen aus, wenn der europäische Mob Häuser anzündet, die zu ihrem Schutz gebaut wurden, wenn kaltherzige Politiker Angst vor ihnen schüren?
Dieses Buch soll die Stimme der Literatur hörbar machen, um überhaupt die Voraussetzung für eine ernsthafte »Flüchtlingsdebatte« zu schaffen, die sich um Schicksale dreht und nicht um Obergrenzen. Die jetzt in deutscher Sprache vorliegenden Texte können nur ein Anfang sein. Aber sie geben ihren Autoren eine Stimme zurück, von der wir hoffen, dass sie an vielen Orten zu hören sein wird.
Zu den Autoren gehört auch Amer Matar, der im November 2012 im Rahmen unserer Lesereihe “W.I.E. erzählt…” in Gießen zu Gast war.

“Exilliteratur im Jahre 2016. Reflektiert, anspruchsvoll und ohne das Pathos der Wehleidigkeit. Stimmen, die hierzulande so bislang nicht zu vernehmen waren – und doch das Hierzulande thematisieren.” (Jürgen Deppe in Neue Bücher auf NDR Kultur / 24 October 2016)

Weg sein – hier sein.
Mit einem Vorwort von Sherko Fatah
und 19 Porträtfotografien von Mathias Bothor
Secession Verlag für Literatur
24,00 €

Redefreiheit

Der britische Historiker Garton Ash_Redefreiheit - CoverTimothy Garton Ash hat ein ebenso kluges wie anregendes Buch über die freie Rede bzw. Meinungsfreiheit unter den Bedingungen der vernetzten Welt geschrieben. Gustav Seibt hat dazu eine ebenfalls lesenswerte Rezension in der Süddeutschen Zeitung verfasst (SZ vom 28. September 2016, Feuilleton, S. 11). Auf einer eigens eingerichteten Webseite kann man sich umfassend über die Entstehung des Buches informieren und auch selbst über die Thesen des Autors mitdiskutieren.

Timothy Garton Ash: Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt. Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Thomas Pfeiffer. Carl Hanser Verlag, München 2016, 28 Euro.

 

Aus Politik und Zeitgeschichte: Pressefreiheit

#‎Neuerscheinung‬ zum Thema Pressefreiheit

UnbenanntDie Bundezentrale für politische Bildung hat eine neue Ausgabe von “Aus Politik & Zeitgeschichte” zum Thema Pressefreiheit herausgegeben.

Ohne freie und unabhängige Berichterstattung kann eine demokratische Gesellschaft nicht funktionieren; weder könnten sich die Bürgerinnen und Bürger umfassend informieren, noch würden die Mächtigen ausreichend kontrolliert. Wie in den meisten Ländern Europas gehört Pressefreiheit in Deutschland zu den Grundrechten; im Grundgesetz ist sie, wie auch die Meinungs- und Informationsfreiheit, in Artikel 5 festgeschrieben.

Während die gesetzlichen Fundamente für eine “funktionierende” journalistische Berichterstattung weitgehend gesichert sind, scheint eine andere Grundbedingung zu erodieren: Seit einiger Zeit ist von einer tiefen Vertrauenskrise die Rede. Der Schutz der Pressefreiheit bleibt eine Daueraufgabe.

Hier könnt ihr sie kostenfrei bestellen:

http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/231315/pressefreiheit

„Attacks on the Press: Gender and Media Freedom Worldwide“

111923090XDas Buch „Attacks on the Press: Gender and Media Freedom Worldwide“, herausgegeben vom “Committee to Protect Journalists“ (CPJ), zeigt den Zustand der Pressefreiheit auf der ganzen Welt. Die aktuelle Ausgabe konzentriert sich auf geschlechtsspezifische Bedrohungen für Journalisten und Medien.

Es enthält eine Sammlung von analytischen Berichten von freien Journalisten und anderen Experten, die Einblick in Verletzung der Pressefreiheit in Bezug auf Geschlecht, Belästigung in der digitalen Welt, Diskriminierung, eingeschränktem Zugang zu Meinungsmachern, Haft sowie physische und sexuelle Angriffe haben.

Das Buch ist außerdem eine Anleitung, wie man mit solchen Bedrohungen und Einschränkungen umgehen kann und zeigt mögliche Lösungen, einschließlich Sicherheitsmaßnahmen, auf.

Committee to Protect Journalists (Hrsg.): Attacks on the Press: Gender and Media Freedom Worldwide. Bloomberg Press, New York City. 176 Seiten.

Hinauf in das winzige Zelt von Blau

Writers in Prison

Auch heute noch werden mehr Schriftsteller und Schriftstellerinnen inhaftiert oder ermordet als man in den westlichen Demokratien glauben mag.

Titelcover Hinauf in das winzige Zelt von BlauDer Band widmet sich Autoren, die verfolgt, inhaftiert oder gar ermordet wurden und werden. Die »Case-List« des PEN verzeichnet derzeit 900 aktuelle Fälle. Vor allem in der Türkei und in China werden Menschen für literarisches Engagement hart bestraft. Doch nicht nur Staaten verfolgen Autoren: In Mexiko etwa wurden seit dem Jahr 2000 von Drogenkartellen knapp 100 Schreibende, vor allem Journalisten, ermordet oder verschleppt – die Aufklärungsrate liegt bei etwa 10%.

Sascha Feuchert, Hans Thill und Regula Venske haben einen Band zusammengestellt, in dem die Betroffenen selbst zu Wort kommen oder von bekannten Kollegen porträtiert werden. Ergänzt werden die Texte mit Grafiken bedrohter bildender Künstler.
Mit Beiträgen u.a. von Mohammed al-Adjami, Gioconda Belli, Sabine Kebir, Enoh Meyomesse, Roswitha Quadflieg, Johano Strasser, Ilija Trojanow und Liao Yiwu.

Zusammengestellt von Sascha FeuchertHans Thill und Regula Venske
Reihe: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik (Hg. von Jürgen Krätzer); Bd. 261, 61. Jahrgang, Wallenstein Verlag, 2016.

Arabische Medien

Welche Rolle spielen arabische Medien in Bezug auf den “Arabischen Frühling”, den Richter-arabisch-9783867645096.inddJihad, den Islamismus? Das erste Standardwerk in deutscher Sprache zum Thema “Arabische Medien” bietet eine fundierte Einführung in die Mediensysteme der arabischen Länder und die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich. Zwar kann man in keinem arabischen Land von “wirklich unabhängigen Medien” sprechen – so die beiden Herausgeber – dennoch gestalten sich die Möglichkeiten und Beschränkungen der Mediensysteme in jedem der dargestellten Länder sehr unterschiedlich, aber auch facettenreich.

Carola Richter, Asiem El Difraoui (Hgg.): Arabische Medien. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2015. 344 Seiten, 44,– €.

“Große Geschichten verstecken sich vermutlich in dieser Spiegelwelt”

“Ihre Zunge ist so scharf wie die Messer eines Metzgers und gnadenlos. Ihre liebste Beschäftigung besteht darin, sich über das Leben der anderen genau zu informieren und darüber zu plaudern (…).” geb_SU

Wie eine der Figuren Abbas Khiders in seinem Roman “Brief in die Auberginenrepublik” (Nautilus Verlag 2013) kann auch das Buch als solches beschrieben werden. Scharf wie ein Messer, gnadenlos und genau. Der zunächst plauderhafte und für den Leser angenehm nachvollziehbare Tonfall täuscht nicht über die Schwermütigkeit und thematische Tiefe des Romans hinweg. Abbas Khider schickt seinen Leser mit einem von Salim Al-Kateb an seine Freundin Samia verfassten Brief auf eine Odyssee quer durch die arabische Welt. Salim, der aufgrund angeblich “illegalen Buchbesitzes” verhaftet und gefoltert geworden, letztlich jedoch im Exil untergetaucht ist, macht ein Netzwerk von illegalen Briefboten ausfindig und vertraut ihnen eine Nachricht an seine Geliebte an. Der Brief begibt sich mitsamt dem Leser auf eine schier unendliche Reise vorbei an der Zensur quer durch Arabien. Immer begleitet von Menschen verschiedenster kultureller, religiöser und moralischer Hintergründe, werden dem Leser auf seiner Briefreise unterschiedlichste Schicksale und Lebensumstände eröffnet.

Abbas Khider vermag es durch eine ständig wechselnde Perspektive der Ich-Erzähler ebenso wie durch seine schonungslosen und emotional anrührenden Schicksalsbeschreibungen, den Leser tief mit in die Zustände und Ereignisse der arabischen Länder Ende der Neunzigerjahre zu nehmen. So lernen wir neben Salim, dem ehemaligen Literaturstudenten (und Absender des Briefes) auch Walid, den – nach kurzer Haft – in Folge einer “Lungenentzündung” verstorbenen Autor und dessen Freund Majed kennen. Ebenso begegnen wir aber auch dem Polizisten Kamal und Oberst Ahmed, die der Reise des Briefes wie auch dem Verlauf der Geschichte eine neue Wendung geben. Ob der Brief seine Empfängerin Samia jemals erreichen wird? Nur soviel sei verraten: So unbeschwert die Reise zunächst beginnen mag, so dramatisch ist auch ihr Wendepunkt…

Abbas Khider, welcher 1996 nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe selbst aus dem Irak floh und seit dem Jahr 2000 in Deutschland lebt, schreibt mit “Brief in die Auberginenrepublik” ein bewegendes und informierendes Buch, das seinem Leser orientalische Hitze- wie politische Kälteschauer gleichermaßen über den Rücken jagt und bis zur letzten Seite nicht loslässt.

(Seit Neuestem als Taschenbuch erhältlich im btb Verlag)

Enoh Meyomesses afrikanische Liebeserklärung

Enoh Meyomesse„Ich kehrte zurück zu dir die hände sogleich in ketten oh land meiner geburt das so sehr ich liebe (…) oh MENSCHENRECHTE wo wart ihr als diese leute uns behandelten DERART“ – So schrieb der kamerunische Autor Enoh Meyomesse in seinem Werk “Gedichte eines Häftlings in Kondengui”.

Nun ist – pünktlich zu seiner gestrigen Ankunft in Darmstadt (wir berichteten davon) – sein neues Buch im Metropol Verlag erschienen. “Darmstadt. Eine afrikanische Liebeserklärung” heißt es und enthält eine Sammlung neuer Gedichte des Schriftstellers in deutscher wie französischer Sprache. Wir freuen uns sehr auf die Lektüre und empfehlen jedem Interessierten eine Bestellung beim Metropol Verlag: veitl@metropol-verlag.de

Stell dir vor, es ist Krieg und du bist falsch angezogen

Adibas Buchcover

Der Roman adibas des georgischen Exil-Schrifstellers Zaza Burchuladze liegt jetzt in einer deutschen Übersetzung von Anastasia Kamarauli  beim Aufbau Verlag vor:

Es gibt eine neue Realität, in der echt und gefälscht nicht mehr zu unterscheiden sind, eine Realität, in der Konzerne und Regierungen die Medien manipulieren und Menschen ihre Körper und Gefühle. Es ist die Realität 2.0, sie ist gefährlich, der Name dafür ist: adibas

“Zaza Burchuladze hat ein sehr bewegendes, hochkomisches und zugleich tieftrauriges Buch geschrieben.” – Wladimir Sorokin

Es herrscht Krieg zwischen Russland und Georgien. Die russischen Truppen haben Tiflis eingekreist. Doch die Happy Few der Neureichen-Bohème, der Tiflis-Hipster und Womanizer erleben den Krieg vor ihrer Haustür hauptsächlich durch Fernsehen, Radio und Internet. Keiner weiß, welcher Information noch zu trauen ist. Die Augen weit geschlossen durchstreifen sie die Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand. Was ist echt in einer Welt aus Fake-Nachrichten, Fake-Brüsten, Fake-Gefühlen und Fake-Kriegen? Echtheit spielt nur in einer Hinsicht eine Rolle: Markenklamotten. So die profane Antwort der Protagonisten. Erst als auch diese letzte Gewissheit ins Wanken gerät, beginnen sie zu verstehen.

Aufbau Verlag

Fotoband “Fotos für die Pressefreiheit”

Am 3. Mai ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Zu diesem Anlass gibt Reporter ohne Grenzen Deutschland den Fotoband “Fotos für die Pressefreiheit” heraus. Per Crowdfunding unter https://www.startnext.com/pressefreiheit2015 sollen die notwendigen 7500 € für die Veröffentlichung eingeworben werden. Nach Spendensumme gestaffelt winken kleinere und größere Geschenke zum Thema Meinungs- und Pressefreiheit. Man kann sich noch bis einschließlich 17.4.2015 mit einer Spende beteiligen.

Buchtipp: “1000 Peitschenhiebe” von Raif Badawi

Morgen erscheint im Ullstein Verlag der Titel “1000 Peitschenhiebe”. Geschrieben hat ihn der saudische Blogger Raif Badawi, dessen Schicksal seit Monaten Menschen weltweit bewegt. Informationen von Spiegel Online folgend enthält das Buch nicht nur einen Text, den Badawi seiner Frau Ensaf Haidar per Telefon aus der Haft heraus diktiert habe, sondern – erstmals auch in deutscher Sprache – die mittlerweile gelöschten Blogeinträge, die zu seiner Verurteilung im vergangenen Jahr geführt hatten.

Der Gewinn soll Badawi und seiner Familie zugute kommen.

Zeichner verteidigen die Meinungsfreiheit

zeichner_verteidigen_meinungsfreiheit„Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht der Aufklärung und darf zu keiner Zeit verhandelbar sein. Wir brauchen eine offene Gesellschaft wie die Luft zum Atmen.“, schreibt der Aladin-Verlag zur Veröffentlichung dieses Buches. 29 Zeichner aus Australien, Deutschland, England, Frankreich, Österreich sind dem Aufruf des Aladin-Verlags gefolgt und treten mit ihren Bildern dafür ein, dass die Meinungsfreiheit respektiert und verteidigt wird.
Die gesamten Erlöse kommen dem „Writers in Prison“-Programm des PEN zugute.