Blockseminar zu “Online-Journalismus im Spannungsfeld von Pressefreiheit und Zensur” an der JLU Gießen

An zwei Wochenenden im Januar und Februar 2019 haben sich 18 Studierende des Studienfachs Fachjournalistik Geschichte intensiv mit den Herausforderungen, Chancen und Gefahren beschäftigt, die der Online-Journalismus im Kampf um Pressefreiheit bietet, dabei aber auch neue Formen der Zensur recherchiert und diskutiert. Geleitet wurde die Übung von Christoph Asche, stellvertretender Chefredakteur bei Business Insider, und Michael Weise, stellvertretender Vorsitzender von Gefangenes Wort. Lesen Sie hier den Pressebericht zum Seminar.

Im Rahmen dieser Veranstaltung haben drei Studierende Kolumnen verfasst, die in den Monaten März, April und Mai am ersten Samstag des Monats im Gießener Anzeiger erscheinen werden. Den Auftakt hat bereits Ann-Kathrin Wächter mit einem Artikel über den Kanada lehrenden polnischen Historiker Jan Grabowski gemacht.

“Es bleibt alles liegen” – Nachlese zur Lesung mit Aziz Tunç, 20.02.2019

Am Mittwoch, den 20.02.2019, veranstalteten wir eine Lesung mit Aziz Tunç im Kerkradezimmer der Kongresshalle Gießen. Tunç ist kurdisch-alevitischer Herkunft und wurde 1956 im türkischen Elbistan geboren. Im Gespräch mit Zeynal Sahin vom Ausländerbeirat erzählte der Autor zunächst von seiner Erfahrungen mit Folter und wiederholten Festnahmen, die ihn seit den 1980er Jahren begleiten. Nur durch einen Zufall hielt er sich während des Putsches in der Türkei im Juli 2016 in Deutschland auf und lebt seither im Exil. IMG-20190221-WA0000

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v.l.n.r. Daniel Schneider, Aziz Tunç, Zeynal Sahin

Im Zentrum seiner Lesung stand ein Text aus seinem Buch zum Massaker von Marraş im Jahr 1978, bei dem 100 Menschen hauptsächlich kurdischer Herkunft starben. Der Autor trug den Text auf Türkisch vor, die Übersetzung wurde von Daniel Schneider vorgelesen. Er erzählte die Geschichte der Familie des Lehrers Süleyman, der 1978 in Marraş ermordet wurde. Aufgrund seiner Berichterstattung über dieses Ereignis war und ist er Verfolgungen und Repressalien durch den türkischen Staat ausgesetzt.

Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum ging es neben seiner Erfahrung als Autor im Exil vor allem um die Frage, wie sich die deutsche Gesellschaft gegen Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Diskriminierung religiöser Minderheiten positionieren und mobilisieren kann.

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Gruppenfoto der Vereinsmitglieder mit dem Autor

Urteil gegen “Cumhuriyet”-Journalisten bestätigt

Die Urteile gegen die 14 Mitarbeiter der türkischen Zeitung “Cumhuriyet” wurden heute in Istanbul bestätigt. Die Journalisten wurden 2016 zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt, ein im vergangenen Jahr eingeleitetes Berufungsverfahren wurde heute abgelehnt. Ihnen werden Mitgliedschaft und Unterstützung von Terrororganisationen vorgeworfen.

Weitere Informationen zum Prozess erfahren Sie hier.

Neuer Verstand bei der Jahreshauptversammlung gewählt

Auf der Jahreshauptversammlung am 26. Januar wurde ein großer Teil des Vorstands in seiner Position bestätigt: Wie im letzten Jahr übernimmt Madelyn Rittner den Vorsitz, Michael Novian und Michael Weise fungieren als stellvertretende Vorsitzende. Lisa Weise, die in den letzten Jahre die Kasse makellos geführt hat, gibt sie nun an Lena Frewer ab. Wir möchten Lisa an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich danken! Kassenprüferinnen sind Sarah Noske und Annina Hofferberth.
Nach der Jahreshauptversammlung folgte die schon traditionelle Klausurtagung, in der es um neue Projekte des Vereins ging.

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Der neue Vorstand (v. l. n. r.): Michael Weise, Michael Novian, Lena Frewer und Madelyn Rittner.

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Gruppenfoto von der Klausurtagung

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Wettbewerb für Schüler*innen zum Tag der Pressefreiheit

Unter dem Motto “Wir reden mit!” veranstalten Reporter ohne Grenzen, der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, die Stiftung Lesen und die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen zum Tag der Pressefreiheit einen Wettbewerb für Kinder und Jugendliche. Dabei geht es darum, Schüler*innen Raum für Themen ihrer Wahl zu geben, zu denen sie ihre Meinung äußern möchten. Bis zum 1. März haben Teilnehmende Gelegenheit, ihre Beiträge einzureichen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Radiojournalist in Mexiko ermordet

In Mexiko wurde nach Berichten von Reporter ohne Grenzen Deutschland am Wochenende der Radiojournalist Jesús Ramos Rodríguez ermordet. Während eines Gesprächstermins mit einem Lokalpolitiker in einem Hotel wurde er von einem Attentäter erschossen. Jesús Ramos Rodríguez ist bereits der zweite Journalist, der in diesem Jahr in Mexiko ermordet wurde.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Die Uncensored Playlist von Reporter ohne Grenzen

Heute möchten wir auf ein cooles, unkonventionelles Projekt hinweisen, mit der Reporter ohne Grenzen gegen die Unterdrückung von Meinungs- und Pressefreiheit angeht: Im März 2018 veröffentlichten sie die Uncensored Playlist, für die Texte von chinesischen, ägyptischen, thailändischen, usbekischen und vietnamesischen Journalist_innen zu Pop-Songs umgearbeitet wurden. So können Texte, die vorher streng zensiert wurden, doch verbreitet werden – denn Streaming-Dienste werden nicht so streng kontrolliert. Nun gibt es die Playlist auch auf Vinyl – für diejenigen, die Reporter ohne Grenzen vielleicht auf diesem Wege unterstützen möchten. Hier findet ihr mehr Infos zum Projekt.

Inhaftierter Schriftsteller Rashad Ramazanov befindet sich im Hungerstreik

Der aserbaidschanische Schriftsteller Rashad Ramazanov wurde schon vor fast sechs Jahren zu neun Jahren Haft verurteilt – angeblich, weil er Drogen besessen und verkauft haben soll. Der PEN International hingegen hält die Anklage für politisch motiviert. Nun befindet sich Ramazanov im Hungerstreik, um auf seine Inhaftierung und die anderer Blogger hinzuweisen.
Zu ihnen gehört auch Mehman Huseynov, der sich gegen Korruption einsetzt. Eigentlich hätte er längst freigelassen werden sollen, doch stattdessen haben die aserbaidschanischen Behörden weitere Anklagen erhoben.

Wer mehr zu diesen Fällen erfahren und vielleicht sogar einen Brief an die aserbaidschanischen Behörden schreiben möchte, um gegen die Inhaftierung der Schriftsteller zu protestieren, findet bei PEN International weitere Informationen.

Neujahrsgrüße und Einstieg in 2019 mit unserem Januar-Artikel

Wir wünschen allen ein frohes neues Jahr und möchten die Gelegenheit nutzen, uns bei allen zu bedanken, die uns 2018 bei unserem Einsatz für die Meinungsfreiheit begleitet und unterstützt haben. Für 2019 sind natürlich auch schon Veranstaltungen geplant, über die wir euch auf unserer Website und über Facebook auf dem Laufenden halten werden.

Erwarten könnt ihr aber auch weiterhin jede Menge aktuelle Informationen zur allgemeinen Lage der Meinungsfreiheit in der Welt und zu verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Einen tollen Gesamtüberblick bietet Daniel Schneider in unserer Kolumne im Januar, die ihr hier finden könnt. Daniel wirft darin einen Blick zurück auf die wachsende Gefährdung der Meinungsfreiheit in der Welt, aber auch in Deutschland. Grund genug für uns, unsere Arbeit 2019 umso motivierter fortzusetzen!

Fotograf Lu Guang inhaftiert

Der chinesische Fotograf Lu Guang wurde nach Aussage seiner Frau Anfang November festgenommen. Er befand sich auf dem Weg in die Provinz Xinjiang. Das berichtet Reporter ohne Grenzen. Der in New York lebende Lu Guang befasst sich in seinen Projekten mit Umwelt und sozialen Themen. Der volle Bericht findet sich hier

Tolle Aktion von ROG: Fonts for Freedom

Fonts for FreedomAllein im Jahr 2018 wurden bisher über 140 Medienorganisationen zensiert bzw. geschlossen. Aus diesem Grund hat Reporter ohne Grenzen eine unbedingt unterstützenswerte Aktion initiiert: Fonts for Freedom. ROG hatte die Schriften verbotenener Zeitungen nachgebaut und sie auf diese Weise zu Botschaftern der Pressefreiheit gemacht. Erfahren Sie hier mehr über die Aktion und unterstützen Sie das Projekt.

Doku-Tipp: “Schweig. Oder Stirb.”

Die ARD zeigt eine spannende, investigative Doku über den Mord an den beiden Journalisten Jan Kuciak (Slowakei) und Daphne Caruana Galizia (Malta). Der Film rekonstruiert nicht nur die Morde, sondern verfolgt die Recherchen weiter, die den beiden Reportern das Leben kosteten. In der Mediathek ist die Doku jederzeit abrufbar.

Rudolf Bahro im “Leseland DDR”

Diesen Monat widmet sich Michael Novian in seiner Kolumne einem historischen Thema: der Zensur im selbsternannten “Leseland DDR”. Er beschäftigt sich mit dem Autor Rudolf Bahro, der sich kritisch mit dem sozialistischen System auseinandersetze, weshalb seine Bücher in der DDR nicht erscheinen konnten. Lesen Sie hier den ganzen Artikel.