Der harte Kampf verfolgter Autoren um Asyl

In einem Gespräch mit der »Jungen Welt« berichtet Sascha Feuchert, Vizepräsident des PEN-Zentrums Deutschland und Literaturwissenschaftler an der ­JLU Gießen, über die prekäre Lage der in Asyl lebenden Schriftsteller in Deutschland. Den Artikel finden Sie hier auf der Seite der Tageszeitung.

Erinnerung an Shawkan und die ägyptische Todesfolter

EGYPT-TRIAL-MEDIA-SHAWKAN

Seit vier Jahren sitzt Mahmud Abu Zeid – genannt Shawkan – nun in Ägypten im Gefängnis. Vor Kurzem wurde er dreißig Jahre alt, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend. Nach Anämie und Hepatitis C saß er bei den letzten Besuchen seiner Familie bereits häufig im Rollstuhl. Der Antrag auf eine Freilassung aus gesundheitlichen Gründen wurde von der Regierung abgelehnt – Shawkan sei gesund, so die Aussage.

Während das Sisi Regime für Deutschland einer der führenden Waffenkunden ist, warten jene Ägypter, die sich in ihrem Land für Meinungs- und Versammlungsfreiheit einsetzen und infolgedessen im Gefängnis sitzen, zumeist umsonst auf Unterstützung.

Shawkans Bruder unterhält die facebook Seite “Freedom for Shawkan”, um an das Schicksal seines Bruders zu erinnern. Der gesamte Artikel über die aktuelle Situation Shawkans und die Lage in Ägypten findet sich hier.

Writers-in-Prison-Day 2017

Heute, am 15.11., ist der Writers-in-Prison-Day (Tag des inhaftierten Schrifstellers), durch welchen jährlich auf das Schicksal zu Unrecht inhaftierter Autoren, DoiW-2017Journalisten, Verleger und Blogger aufmerksam gemacht werden soll. Außerdem soll an eben jene erinnert werden, welche getötet wurden, weil sie ihre Meinung frei geäußert haben.

Der internationale PEN stellt jedes Jahr exemplarisch die Schicksale einiger Autoren und Journalisten vor. Dieses Jahr stehen die Türkei, Äquatorialguinea, Honduras, Vietnam und Syrien im Fokus. Hier gelangen Sie zum ganzen Artikel.

Askarow nach Bericht über gewalttätige ethnische Unruhen zu jahrelanger Haft verurteilt

Elena Müller berichtet diesen Monat in unserer Kolumne über den kirgisischen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Asimschon Askarow, dem seit seiner Festnahme im September 2010 kein fairer Prozess gemacht wurde.Azimzhan_Askarov
Der Vorwurf: “Beihilfe in einem Mordfall und Anstachelung zum Hass”…

Hier geht es zum Artikel des Gießener Anzeigers.

Asli Erdogan berichtet über ihre Zeit im Gefängnis

Seit dem 29.Dezember 2016 ist die Schritstellerin Asli Erdogan wieder in Freiheit. Vorerst, denn das Gerichtsverfahren gegen Sie dauert an. Wie vielen anderen Journalist*innen, die in der Türkei verhaftet wurden, wird ihr die Gründung und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen.
In einem bewegenden Interview berichtet die Schritstellerin Asli Erdogan in der FAZ über ihre Zeit in einem türkischen Frauengefängnis.

Derzeit sitzen nach Informationen von Reporter ohne Grenzen (ROG) noch mehr als 80 Journalist*innen in türkischen Gefängnissen. In einer Petition fordert daher ROG, der deutsche PEN sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, klar Position zur Lage in der Türkei zu beziehen, die Meinungs- und Pressefreiheitfreiheit in ihren Entscheidungen, Handlungen und Äußerungen kompromisslos und aktiv einzufordern und sie nicht zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Hier kann man mitmachen.

Notwendige Medikamente in Haft verweigert

In unserer September-Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet diesmal Marco Rasch über die türkische Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan und die schwierige Situation in der Türkei nach dem gescheiterten Militärputsch.

Den vollständigen Artikel gibt es unter dem folgenden Link:

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/hochschule/notwendige-medikamente-in-haft-verweigert_17261216.htm

Kamerunischer Lyriker Enoh Meyomesse zu Gast im KiZ

Am Dienstag, den 05.07.2016 las der kamerunische Lyriker, Politiker und Menschenrechtsaktivist Enoh Meyomesse im Kultur im Zentrum. Eingeladen durch das Literarische Zentrum Gießen, las der Autor einiger seiner während und nach der Haft entstandenen Gedichte in französischer Sprache vor. Daniel Schneider verlas die deutsche Fassung, Julia Richter und Madelyn Rittner moderierten in englischer wie deutscher Sprache.img_L2ZtLzgxOS90aHVtYm5haWxzL0NPTl81Mjk0MTk2NjlfNjM0NzNfTS5qcGcuMzAzNjAzODQuanBn_L2ZtLzgxOS90aHVtYm5haWxzL0NPTl81Mjk0MTk2NjlfNjM0NzNfTS5qcGcuMzAzNjAzODYuanBn

 

Enoh Meyomesse, der aufgrund seiner regierungskritischen Texte und Äußerungen sowie seines Einsatzes für die Meinungsfreiheit über drei Jahre in Kamerun im Gefängnis saß, lebt seit Oktober 2015 in Darmstadt als Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN. In seinen gelesenen Gedichten thematisierte er sowohl die Zensur seiner Texte, Isolations- und Dunkelhaft, Schutzgelderpressung und Folter, als auch die Gefühle und Zukunftserwartungen nach dem Ende seiner Haft und auf der Reise ins Exil.

Die facettenreiche Lesung endete mit einer Aufforderung des LZG und des PEN Zentrums Deutschland an das Publikum. Gebeten wurde um das Ausfüllen einer Postkarte an den türkischen Präsidenten, welche die Aufforderung der Freilassung Can Dündars und Erdem Güls enthielt.

Lesen Sie den ganzen Artikel zur Lesung von Enoh Meyomesse als PDF unter dem angezeigten Link oder auf der Seite des Gießener Anzeigers.

In Vietnam existiert das Recht auf Pressefreiheit – zumindest theoretisch

In unserer Kolumne im Juli hat Svenja Gabriel-Jürgens dieses mal über den Blogger und Priester Nguyen Van Ly berichtet.FATHER THADDEUS NGUYEN

Insgesamt 25 Jahre verbrachte der mittlerweile 70 Jährige in Haft, weil er sich er sich für Katastrophenhilfe sowie die Religions- und Meinungsfreiheit in Vietnam einsetzte. Die Regierung fasste seine Aktivitäten als Angriff auf das System auf und inhaftierte den katholischen Priester immer wieder. Nguyen Van Lys Reaktion: Die Gründung des Bloc 8406, einem Zusammenschluss verschiedener Schriftsteller, die gemeinsam ein „Manifest zu Freiheit und Demokratie in Vietnam“ veröffentlichten.

Heute ist Nguyen Van Ly frei. Und leidet doch unter den Folgen jahrelanger Haft.

Den vollständigen Artikel gibt es auf der Seite des Gießener Anzeigers.

Indonesien nach der Buchmesse – zurück zur Zensur

Indonesien, das vor kurzem noch als Gastland der Frankfurter Buchmesse im Mittelpunkt stand, macht nun mit Zensurmaßnahmen auf sich aufmerksam. Auf dem “Ubud Writers and Readers Festival” auf Bali sollte die Verfolgung und Ermordung von Kommunisten in den Jahren 1965/1966 thematisiert werden – ein bis heute tabuisiertes Kapitel der Landesgeschichte. Die zuständigen lokalen Behörden haben den Veranstaltern mit dem Lizenzentzug gedroht, sollte dieses Thema tatsächlich auf die Tagesordnung kommen.

Der PEN International fordert in einer Protest-Petition die Regierung Indonesiens und die Behörden auf, ihre Entscheidung zurück zu nehmen und erklärt seine Solidarität mit den Autoren und Autorinnen sowie Lesern und Leserinnen in Ubud.

Die Protest-Petition findet Ihr hier.

 

 

 

 

Die Meinungsfreiheit auf der Frankfurter Buchmesse

Leerer MessestandDie Freiheit des Wortes fand in diesem Jahr auf der Buchmesse in Frankfurt gleich zu Beginn große Aufmerksamkeit. Salman Rushdie, der seit Jahrzehnten verfolgte und bedrohte Autor, sprach gleich zu Beginn der Messe über die Relevanz der schriftstellerischen  Meinungsfreiheit. Unmut über den Besuch des indisch-britischen Autors zeigte sich am iranischen Messestand – der blieb in diesem Jahr leer.

Einen Auszug aus Rushdies Rede (bitte Untertitel unbeachtet lassen) und einen Blick auf den erschreckend leeren Stand des Iran gibt es auf Youtube:

Salman Rushdies Rede

Messestand ohne Bücher

Enoh Meyomesse seit heute in Deutschland

Eine große Freude und Erleichterung ist, dass Enoh Meyomesse nicht nur seit April dieses Jahres frei, sondern auch seit heute in Deutschland ist! Er landete heute Morgen in Frankfurt und konnte schon kurz danach seine neue Wohnung in Darmstadt beziehen, wo der Schiftsteller ab sofort Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat ist und durch das Writers-in-Exile-Programm des PEN betreut wird.

Enoh Meyomesse im Arbeitszimmer seiner neuen Wohnung mit Kerstin Martini (PEN Deutschland), Renate Rook (Stadt Darmstadt) und Julia Richter (Gefangenes Wort e.V.)

Enoh Meyomesse im Arbeitszimmer seiner neuen Wohnung mit Kerstin Martini (PEN Deutschland), Renate Rook (Stadt Darmstadt) und Julia Richter (Gefangenes Wort e.V.)

Unter den wenigen Dingen, mit denen er am Flughafen ankam, war auch der Laptop, den Gefangenes Wort Enoh Meyomesse durch Preisgelder und die Unterstützung des PEN senden konnte. Auch durch den Computer, erzählte er uns, habe sich für ihn im Gefängnis Vieles verändert. Er sei ein eines der Zeichen dafür gewesen, dass sein Schicksal in der Welt nicht unbemerkt geblieben ist.

 

„I have a feeling that my happiness is abundant and boundless.”

 

F.Y.Wir freuen uns sehr über die guten Neuigkeiten von Fouad Yazji: Aufgrund seines schriftstellerischen Wirkens während der syrischen Revolution hatte er seine gesamte Existenz sowie seine Leser verloren und musste nach Ägypten fliehen, wo er, völlig mittellos und in ständiger Angst vor einer erneuten Verhaftung, allenfalls geduldet wurde. Nun ist er seit Anfang September in Deutschland. Möglich gemacht wurde dies durch die Zusammenarbeit des Goethe-Instituts und des PEN-Zentrums Deutschland.
Auch Gefangenes Wort steht mit ihm seit November 2014 in regelmäßigem Kontakt und konnte Yazji durch Mittel aus dem vereinseigenen Soforthilfefond finanziell unterstützen (wir berichteten im April in unserer Zeitungskolumne). Kurz nach seiner Ankunft schrieb er uns von seiner Erleichterung:  „I have a feeling that my happiness is abundant and boundless.”

Solidarität mit netzpolitik.org

Wie gestern bekannt geworden, hat die Bundesanwaltschaft Ermittlungen gegen die Betreiber des Politik-Blogs netzpolitik.org sowie gegen Unbekannt aufgenommen; die Strafanzeige hatte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, gestellt. Es bestehe der Verdacht des Landesverrats, da netzpolitik.org in zwei Blogeinträgen Anfang des Jahres aus internen Dokumenten des Verfassungsschutzes zur Internetüberwachung, die als „Verschlussache – vertraulich“ geführt worden seien, zitiert hatte. Ein Gutachter prüfe nun, ob es sich bei den betreffenden Dokumenten tatsächlich um Staatsgeheimnisse handle (Vgl. hierzu Zeit Online).

Zwar ruhen die Ermittlungen seit heute Nachmittag, doch wurde das Verfahren damit nicht endgültig eingestellt; man warte lediglich auf das Ergebnis des Gutachtens, um dann gegebenenfalls weitere juristische Schritte einzuleiten. Die wichtigsten Fragen zum Fall von netzpolitik.org klärt Spiegel Online unter folgendem Link.

Ebenso schnell, wie sich diese Informationen verbreitet haben, ist seit gestern Abend auch die Solidarität mit den Betreibern von netzpolitik.org gewachsen (Vgl. Spiegel Online).

Auch wir sehen die Pressefreiheit elementar bedroht, wenn kritische journalistische Arbeit durch juristischen Druck erschwert und unterdrückt wird. Markus Beckedahl und Andre Meister als Betreiber und Autoren von netzpolitik.org verdienen unsere Solidarität.

Unter https://netzpolitik.org/spenden/ kann man die Arbeit von netzpolitik.org unterstützen – gerne auch langfristig.

Hermann Kesten-Preis 2014

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Morgen wird in Darmstadt der Hermann Kesten-Preis verliehen. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller und Journalisten einsetzen.

Dieses Jahr erhält ihn der Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck aus Berlin. Kaleck hatte sich immer wieder für die Opfer staatlicher Gewalt, etwa in Argentinien, Tschetschenien, Kolumbien, Pakistan, Mexiko, Usbekistan und im Irak engagiert. Darüber hinaus ist er als Edward Snowdens Rechtsbeistand bekannt geworden.

Weitere Imformationen finden Sie auf den Seiten des PEN.

Mexikanischer Journalist Jorge Torres Palacios tot aufgefunden

Jorge Torres PalaciosWir teilen die Bestürzung des internationalen PEN über die Ermordung des mexikanischen Journalisten Jorge Torres Palacios, der am 2. Juni 2014 tot aufgefunden wurde. Der PEN Mexiko forderte die örtlichen und staatlichen Behörden nachdrücklich zur Aufklärung des Falles auf. Neben Palacios sind allein in diesem Jahr bereits zwei weitere Journalisten in Mexiko tot aufgefunden wurden. Der Staat zeichnet sich durch seine hohe Straflosigkeit aus: Im Schnitt wird einer von 160 Morden aufgeklärt. Weitere Informationen zu Palacios gibt es hier.

Copyright Bild: La Jornada