Askarow nach Bericht über gewalttätige ethnische Unruhen zu jahrelanger Haft verurteilt

Elena Müller berichtet diesen Monat in unserer Kolumne über den kirgisischen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Asimschon Askarow, dem seit seiner Festnahme im September 2010 kein fairer Prozess gemacht wurde.Azimzhan_Askarov
Der Vorwurf: “Beihilfe in einem Mordfall und Anstachelung zum Hass”…

Hier geht es zum Artikel des Gießener Anzeigers.

Asli Erdogan berichtet über ihre Zeit im Gefängnis

Seit dem 29.Dezember 2016 ist die Schritstellerin Asli Erdogan wieder in Freiheit. Vorerst, denn das Gerichtsverfahren gegen Sie dauert an. Wie vielen anderen Journalist*innen, die in der Türkei verhaftet wurden, wird ihr die Gründung und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen.
In einem bewegenden Interview berichtet die Schritstellerin Asli Erdogan in der FAZ über ihre Zeit in einem türkischen Frauengefängnis.

Derzeit sitzen nach Informationen von Reporter ohne Grenzen (ROG) noch mehr als 80 Journalist*innen in türkischen Gefängnissen. In einer Petition fordert daher ROG, der deutsche PEN sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, klar Position zur Lage in der Türkei zu beziehen, die Meinungs- und Pressefreiheitfreiheit in ihren Entscheidungen, Handlungen und Äußerungen kompromisslos und aktiv einzufordern und sie nicht zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Hier kann man mitmachen.

Lebenslang für die Wahrheit

can_duendar_lebenslangIm November 2015 werden Can Dündar, Chefredakteur der regierungskritischen Tageszeitung »Cumhuriyet«, und Erdem Gül, Hauptstadtkorrespondent, verhaftet. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihnen Spionage und Verrat von Staatsgeheimnissen vor, Staatspräsident Erdogan stellt persönlich Strafanzeige und fordert lebenslange Haft. Hintergrund ist ihre Berichterstattung über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Extremisten. Nach drei Monaten kommen die Journalisten vorläufig frei. Anfang Mai beginnt der Prozess: Dündar wird zu sechs, Gül zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In »Lebenslang für die Wahrheit« erzählt Dündar die ganze Geschichte von der Entdeckung der geheimen Waffenlieferungen über die Entscheidung, das belastende Filmmaterial zu veröffentlichen, bis zu den Ereignissen, die der Veröffentlichung folgten: Die Drohungen, die er und die Redaktion erhalten haben, die Angst vor Terroranschlägen, seine Zeit in Einzelhaft. Dündars Aufzeichnungen aus dem Gefängnis zeigen, dass sein Widerstand ungebrochen ist und er nicht aufgeben wird im Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit.

Can Dündar: Lebenslang für die Wahrheit – Aufzeichnungen aus dem Gefängnis
Hoffmann und Campe Verlag
In einer Übersetzung von Sabine Adatepe

Bücherflohmarkt im November

FB_bookfairAuch diesen November veranstalten wir wieder unseren jährlichen Bücherflohmarkt im Foyer des Philosophikum I (Otto-Behagel-Str. 10a). Am 3. und 4. November gibt es wie gewohnt Romane, Krimis, Kinder- und Jugendliteratur, Fach- und Sachbücher sowie internationale Literatur zu günstigen Preisen.

Mit dem Erlös wird der usbekische Journalist Salijon Abdurakhmanov unterstützt, der wegen vermeintlichen Drogenbesitzes seit nunmehr sieben Jahren inhaftiert ist. Im November 2014 wurde Salijon Abdurakhmanow mit dem Johann-Philipp-Palm-Preis ausgezeichnet, den er aufgrund der Inhaftierung nicht persönlich entgegen nehmen konnte. Der Preis würdigt Menschen und Institutionen, die „in herausragender Weise ein Beispiel für persönlichen oder institutionellen Einsatz zur ungehinderten Verwirklichung von Meinungs- und Pressefreiheit geben.“

Bücherspenden werden im Oktober während der Öffnungszeiten des LZG (Montag und Donnerstag von 10-14 Uhr und Dienstag von 15-19 Uhr) und zusätzlich am Samstag, 31.10.2015 von 10-12 Uhr dankend entgegen genommen.

Enoh Meyomesses afrikanische Liebeserklärung

Enoh Meyomesse„Ich kehrte zurück zu dir die hände sogleich in ketten oh land meiner geburt das so sehr ich liebe (…) oh MENSCHENRECHTE wo wart ihr als diese leute uns behandelten DERART“ – So schrieb der kamerunische Autor Enoh Meyomesse in seinem Werk “Gedichte eines Häftlings in Kondengui”.

Nun ist – pünktlich zu seiner gestrigen Ankunft in Darmstadt (wir berichteten davon) – sein neues Buch im Metropol Verlag erschienen. “Darmstadt. Eine afrikanische Liebeserklärung” heißt es und enthält eine Sammlung neuer Gedichte des Schriftstellers in deutscher wie französischer Sprache. Wir freuen uns sehr auf die Lektüre und empfehlen jedem Interessierten eine Bestellung beim Metropol Verlag: veitl@metropol-verlag.de

Stell dir vor, es ist Krieg und du bist falsch angezogen

Adibas Buchcover

Der Roman adibas des georgischen Exil-Schrifstellers Zaza Burchuladze liegt jetzt in einer deutschen Übersetzung von Anastasia Kamarauli  beim Aufbau Verlag vor:

Es gibt eine neue Realität, in der echt und gefälscht nicht mehr zu unterscheiden sind, eine Realität, in der Konzerne und Regierungen die Medien manipulieren und Menschen ihre Körper und Gefühle. Es ist die Realität 2.0, sie ist gefährlich, der Name dafür ist: adibas

“Zaza Burchuladze hat ein sehr bewegendes, hochkomisches und zugleich tieftrauriges Buch geschrieben.” – Wladimir Sorokin

Es herrscht Krieg zwischen Russland und Georgien. Die russischen Truppen haben Tiflis eingekreist. Doch die Happy Few der Neureichen-Bohème, der Tiflis-Hipster und Womanizer erleben den Krieg vor ihrer Haustür hauptsächlich durch Fernsehen, Radio und Internet. Keiner weiß, welcher Information noch zu trauen ist. Die Augen weit geschlossen durchstreifen sie die Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand. Was ist echt in einer Welt aus Fake-Nachrichten, Fake-Brüsten, Fake-Gefühlen und Fake-Kriegen? Echtheit spielt nur in einer Hinsicht eine Rolle: Markenklamotten. So die profane Antwort der Protagonisten. Erst als auch diese letzte Gewissheit ins Wanken gerät, beginnen sie zu verstehen.

Aufbau Verlag

Writer-In-Residence-Woche geht zu Ende

Heute endet die erste Gießener Writer-In-Residence-Woche, in der der georgische Exil-Schriftsteller Zaza Burchuladze mit seiner Familie zu Gast in Gießen war. Die Woche war im literaturwissenschaftlichen Seminar „Zensiert. Verfolgt. Ermordet“ unter Leitung von Sascha Feuchert, Lars Meuser und Michael Weise  gemeinsam mit 20 Studierenden der Justus-Liebig-Universität wissenschaftlich begleitet und konzeptionell vorbereitet worden.

Am Dienstag gab es im Anschluss an eine Stadtführung die Gelegenheit für alle Beteiligten sich in gemütlicher Runde besser kennenzulernen. Am Mittwoch stand zunächst ein Empfang bei Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz auf dem Programm, die Zaza Burchuladze als Gast der Stadt begrüßte und sich von ihm erläutern ließ, warum er sich vor gut zwei Jahren freiwillig ins deutsche Exil begeben hatte. Am Abend fand dann die erste von zwei öffentlichen Veranstaltungen statt: In der Ricker’schen Universitäts-Buchhandlung las Burchuladze aus seinem Roman „adibas“ vor knapp 60 Gästen und stellte sich anschließend den Fragen des Publikums. Eine erste Nachlese von Doris Wirkner zu dieser Veranstaltung können Sie bereits unter folgendem Link bei der Gießener Allgemeinen finden. In der Samstagsausgabe des Gießener Anzeigers hält Heidrun Helwig in einem ausführlichen Artikel Rückblick auf die Veranstaltungen der gesamten Woche.

Am Donnerstag fanden sich dann etwa 50 Gäste im Café Amélie ein: Die Studierenden hatten zu einem Polit-Talk geladen, an dem neben Zaza Burchuladze auch die georgisch-deutsche Übersetzerin Anastasia Kamarauli und Sascha Feuchert als Vizepräsident und Writers-In-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland teilnahmen. In einer kurzweiligen und interessanten Gesprächsrunde wurden den Zuhörerinnen und Zuhörern spannende und mitunter irritierende Einblicke in die georgische Gesellschaft eröffnet, die geradezu zerrissen scheint zwischen gesellschaftlicher Öffnung und Pluralität einerseits und christlich-orthodox geprägter Traditionsorientierung andererseits. Vor diesem Hintergrund schilderte Burchuladze die Gründe für sein erzwungenes Exil, während insbesondere Anastasia Kamarauli den Blick auf das Wechselspiel von Politik, Öffentlichkeit und Medien während des Kaukasischen Fünftagekriegs von 2008 lenkte, der den thematischen Rahmen für Burchuladzes Roman „adibas“ bildet. Sascha Feuchert ordnete Burchuladzes Exilsgeschichte vor diesem Hintergrund in eine globale Perspektive von Literatur- und Pressezensur ein und erläuterte, welche Formen der Unterstützung der PEN in solchen Fällen bereitstellen kann.

Bevor die Writer-In-Residence-Woche heute mit einem gemeinsamen Abendessen im Kreise des Seminars endet, möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bei allen Kooperationspartnern und Sponsoren bedanken, die dieses besondere Projektseminar möglich gemacht haben. Neben den Studierenden sind dies das Literarische Zentrum Gießen und seine Programmleiterin Karina Fenner, das Institut für Germanistik der JLU Gießen, die Ricker’sche Universitäts-Buchhandlung und das Team vom Café Amélie, die allesamt Räume und Infrastruktur zur Verfügung gestellt haben. Auch danken möchten wir der Gießener Hochschulgesellschaft und dem Präsidium der JLU, dem PEN-Zentrum Deutschland, Ihring’s Wirtsstuben sowie den Firmen Faber & Schnepp aus Gießen und Pfeiffer Stahlrohrmaste aus Ortenberg, die diese Woche finanziell unterstützt haben. Nicht zuletzt gilt unser Dank der Gießener Allgemeinen und dem Gießener Anzeiger, die diese Woche journalistisch begleitet haben.

Alle Beteiligten haben durch ihre Hilfe einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Writer-In-Residence-Woche ein großer Erfolg geworden ist. Einer Neuauflage in naher Zukunft steht damit nichts im Wege.

 

Tsering Woeser – China

Tsering Woeser wurde 1966 in Lhasa geboren. Ihre Eltern waren loyale Kommunisten, der Vater ein tibetisch-chinesischer Vize-Kommandeur der Chinesischen Volksbefreiungsarmee. In Chengdu (Sichuan) besuchte sie die Oberschule sowie die Universität. Sie merkte schnell, dass sie zu einer Minderheit gehörte und begann, verbotene Schriften zu lesen: „Da standen Dinge, die das Gegenteil von dem waren, was man uns gelehrt hatte.“

Nach Abschluss des Studiums wurde sie Redakteurin einer literarischen Zeitung in Lhasa, wo sie mit Mönchen ins Gespräch kam, die ihr von der Niederschlagung der Proteste in Tibet 1989 erzählten. Diese Gespräche prägten sie nachhaltig. Nachdem sie ihren Arbeitsplatz verloren hatte, ging sie nach Peking, wo sie den chinesischen Schriftsteller Wang Lixiong heiratete.

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Mohammad Hassan Fallahiya – Iran

Im November 2006 wurde der Journalist Mohammad Hassan Fallahiya verhaftet, nachdem er regierungskritische Artikel veröffentlicht und angeblich oppositionelle Gruppen im Ausland kontaktiert hatte. Fallahiya wurde am 21. April 2007 in einem Verfahren zu drei Jahren Haft verurteilt, in dem ihm laut Amnesty International jeder Rechtsbeistand verweigert wurde. Der P.E.N. forderte fortwährend bedingungslos seine Freilassung, da seine Inhaftierung eine eindeutige Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung darstelle.

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Melissa Rocío Patiño Hinostroza – Peru

Die 21-jährige peruanische Dichterin und Studentin Melissa Rocío Patiño Hinostroza ist Mitglied des „Círculo del Sur“, einer Dichtergruppe in Lima und leitet eine Lyriksendung im Radio für junge Leute. Seit 2008 steht sie vor Gericht. Im Februar desselben Jahres besuchte sie eine Konferenz in Ecuador, die von der Coordinadora Continental Boliviariana (CCB) organisiert worden war. Als sie von dort zurückkehrte, wurde sie zusammen mit sechs weiteren Teilnehmern verhaftet.

Es wird ihr vorgeworfen, Mitglied einer linken politischen Organisation zu sein, die laut der peruanischen Regierung in Kontakt mit terroristischen Vereinigungen steht. Patiño selbst leugnet, politisch aktiv zu sein. Sie wurde fast drei Monate im Hochsicherheitsgefängnis in Chorrillos (Lima) unter strenger Aufsicht festgehalten. Am 8. Mai 2008 wurde sie schließlich gegen eine Kaution von umgerechnet 240 Euro freigelassen und wartet seitdem auf ihren Prozess.

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Jorge Olivera Castillo – Kuba

Jorge Olivera Castillo war zwischen 1983 und 1993 Redakteur des staatlichen kubanischen Fernsehens und wurde gezwungen, seine Arbeit niederzulegen, nachdem er sich öffentlich gegen die Zensurpolitik Kubas ausgesprochen hatte.

Am 1. März 2006 wurde Castillo erneut zu einer Anhörung vor das kommunale Volkstribunal in Havanna vorgeladen, wo er über eine große Anzahl von Auflagen informiert wurde, die er zu befolgen habe, sollte er weiterhin außerhalb des Gefängnisses leben wollen. Obwohl er aus gesundheitlichen Gründen im Dezember des Jahres 2004 aus der Haft entlassen worden war, lägen die Haftgründe weiterhin vor, weshalb Castillo auf Geheiß der kubanischen Behörden jederzeit dazu gezwungen werden könne, den Rest seiner 18jährigen Haftstrafe zu verbüßen.

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Doğan Akhanlı – Türkei

Dogan Akhanli wurde 1957 in der Türkei geboren. Nach dem Militärputsch am 12. September 1980 musste er in den Untergrund gehen, da er als Student Mitglied der maoistischen Gruppe TDKP war. 1984 wurde er in Izmir verhaftet und saß anschließend drei Jahre in Istanbul im Gefängnis, wo er mehrmals gefoltert wurde. 1988 kam er vorübergehend frei und ging wieder in den Untergrund. Drei Jahre später floh er nach Deutschland, wo er als politischer Flüchtling anerkannt wurde. Seit 2001 ist er deutscher Staatsbürger, nachdem die Türkei ihn 1998 zwangsausgebürgert hatte.

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