Doğan Akhanlı – Türkei

Dogan Akhanli wurde 1957 in der Türkei geboren. Nach dem Militärputsch am 12. September 1980 musste er in den Untergrund gehen, da er als Student Mitglied der maoistischen Gruppe TDKP war. 1984 wurde er in Izmir verhaftet und saß anschließend drei Jahre in Istanbul im Gefängnis, wo er mehrmals gefoltert wurde. 1988 kam er vorübergehend frei und ging wieder in den Untergrund. Drei Jahre später floh er nach Deutschland, wo er als politischer Flüchtling anerkannt wurde. Seit 2001 ist er deutscher Staatsbürger, nachdem die Türkei ihn 1998 zwangsausgebürgert hatte.

Am 26. August 2010 wurde bekannt, dass Dogan Akhanli am 10. August 2010 bei seiner Einreise in die Türkei verhaftet wurde. Anlass dieser Reise – seiner ersten seit 1991 – war der Besuch seines todkranken Vaters. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft Akhanli vor, im Oktober 1989 an einem Raubüberfall auf eine Istanbuler Wechselstube beteiligt gewesen zu sein, bei dem ein Mensch getötet wurde. Zusätzlich wird ihm Verschleierung dieser Straftat durch Tötung des Überfallenen zur Last gelegt und unterstellt, er sei der Kopf einer militanten bewaffneten Organisation gewesen, die die türkische Ordnung hätte umstürzen wollen: Lebenslängliche Freiheitsstrafe wäre die Konsequenz aus dieser Anklage. Dieser Vorwurf wird von Akhanli und seinen Anwälten zurückgewiesen und für haltlos erklärt. Akhanli sitzt momentan im Gefängnis von Tekirdag (Westtürkei) ein.

Seit seiner Inhaftierung setzen sich international viele namhafte Autoren für Akhanli ein. In Deutschland fordern beispielsweise die P.E.N.-Autoren Günter Grass, Orhan Pamuk oder sein enger Freund Günter Wallraff seine Freilassung oder zumindest eine faire, rechtsstaatliche Gerichtsverhandlung. Um das zu erreichen, verlangt Wallraff in einem Interview mit der taz (31.08.2010), die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit hoch zu halten. Gleichwohl befürchtet er auch, dass es kein unabhängiges Verfahren geben wird. Sollte das passieren und Akhanli nicht freikommen, wird sich Wallraff „etwas einfallen lassen“.

Letzter Stand: Ausstellung 2010

Bildquelle: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)