“Es bleibt alles liegen” – Nachlese zur Lesung mit Aziz Tunç, 20.02.2019

Am Mittwoch, den 20.02.2019, veranstalteten wir eine Lesung mit Aziz Tunç im Kerkradezimmer der Kongresshalle Gießen. Tunç ist kurdisch-alevitischer Herkunft und wurde 1956 im türkischen Elbistan geboren. Im Gespräch mit Zeynal Sahin vom Ausländerbeirat erzählte der Autor zunächst von seiner Erfahrungen mit Folter und wiederholten Festnahmen, die ihn seit den 1980er Jahren begleiten. Nur durch einen Zufall hielt er sich während des Putsches in der Türkei im Juli 2016 in Deutschland auf und lebt seither im Exil. IMG-20190221-WA0000

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v.l.n.r. Daniel Schneider, Aziz Tunç, Zeynal Sahin

Im Zentrum seiner Lesung stand ein Text aus seinem Buch zum Massaker von Marraş im Jahr 1978, bei dem 100 Menschen hauptsächlich kurdischer Herkunft starben. Der Autor trug den Text auf Türkisch vor, die Übersetzung wurde von Daniel Schneider vorgelesen. Er erzählte die Geschichte der Familie des Lehrers Süleyman, der 1978 in Marraş ermordet wurde. Aufgrund seiner Berichterstattung über dieses Ereignis war und ist er Verfolgungen und Repressalien durch den türkischen Staat ausgesetzt.

Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum ging es neben seiner Erfahrung als Autor im Exil vor allem um die Frage, wie sich die deutsche Gesellschaft gegen Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Diskriminierung religiöser Minderheiten positionieren und mobilisieren kann.

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Gruppenfoto der Vereinsmitglieder mit dem Autor