“Meine Gefangenschaft in Kerkern des Castro-Regimes”

Der folgende Text entstammt einem Gespräch, das die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte mit Normando Herández González kurz nach seiner Ankunft im spanischen Exil führte. Das Original ist hier zu finden:

http://www.igfm.de

Normando Hernandez Gonzalez, im Gespräch mit der IGFM: “Meine Gefangenschaft in Kerkern des Castro-Regimes”

Normando Hernandez Gonzalez (Interview IGFM)Dank eines kubanischen politischen Gefangenen, der im Juli 2010 nach sieben Jahren Haft nach Spanien freigelassen wurde: Überleben war nur dank der internationalen Solidarität und der Liebe seiner Familie möglich

Das Gespräch führte Martin Lessenthin,
Vorstandssprecher der IGFM

Zur Person:

Normando Hernandez Gonzales (geb. 27.10.1969), Journalist und Direktor der Unabhängigen Journalistenschule (CPIC) in Camagüey/Kuba, wurde im März 2003 während des sogenannten kubanischen “Schwarzen Frühlings” verhaftet und wegen seiner Artikel im oppositionellen Cubanet und Interviews mit Radio Martí zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er wurde gefoltert und misshandelt,  von Gefängniswächtern an den Haaren aufgehängt, befand sich mehrmals aus Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen im Hungerstreik und musste sich ständig gegen Übergriffe der von Gefängniswärtern aufgewiegelten, gewalttätigen Mithäftlingen wehren.

Nach dem Hungertod des inhaftierten kubanischen Bürgerrechtlers Orlando Zapata Tamayo Ende Februar 2010 und dank des viermonatigen Hungerstreiks des Journalisten Guillermo Farinas und des Engagements der Katholischen Kirche auf Kuba erklärte sich das Castro-Regime zur Freilassung von 52 politischen Gefangenen bereit und handelte mit dem spanischen Außenminister Moratinos aus, dass sie von Spanien aufgenommen werden.

Am 14.07.2010 traf Normando Hernandez Gonzales in Madrid ein, wo er wenige Tage später gegenüber der IGFM, deren Ehrenmitglied er ist, folgende Aussage machte:

“Ich bin in den Gefängnissen von Fidel und Raul sehr krank geworden, aber danke Gott, dass ich überlebt habe und heute am 19. Juli aus Madrid berichten kann. Ich danke der IGFM, der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, die mich zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hat und so mir im Gefängnis und meinen Angehörigen Hoffnung gegeben hat, dass ich nicht hinter Kerkermauern vergessen werde! Ich danke der IGFM, dass sie meine Frau und meine Tochter in Camaguey und meine Mutter in Miami moralisch und materiell unterstützt hat.

Ich danke der IGFM, dass sie bekannte Politiker gewonnen hat, die mich als politische Paten international unterstützt haben. Ich danke für die zahlreichen Pressemitteilungen, Pressekonferenzen, Ausstellungen, Appell-Aktionen, Mahnwachen, Wettbewerbe und Konferenzen, durch die die IGFM in Deutschland über mein Schicksal als Journalist und politischer Gefangener berichtet hat.

Isolierung und Versuche der psychischen Zerstörung

In den ersten 101 Tagen meiner Haft war ich völlig von der Außenwelt und auch von den Mitgefangenen  isoliert gewesen. Ich durfte nicht duschen und sollte die für Straftäter vorgesehene Häftlingskleidung tragen. Ich zog sie nicht an, sondern trug Unterwäsche, wie der von mir verehrte Arzt und Menschenrechtsverteidiger Dr. Oscar Elias Biscet im Gefängnis es tut. Man ließ mich allein in einer Zelle voller Ungeziefer, man wollte meine Seele stehlen und meinen Willen brechen. Ich durfte kein Buch, keine Zeitschrift, nicht einmal die Bibel lesen.

Nach 101 Tagen konnte mich meine geliebte Yaris zum ersten Mal besuchen. Es folgen weitere Besuche, viermal im Jahr. Das sind 26 Besuche bis zu meiner Entlassung vor einer Woche. Mehr war nicht erlaubt. Nach fünf Jahren Haft wurde ich in meiner Zelle zwei Mal von einem Priester besucht. Ein dritter Besuch von einem Priester der Katholischen Kirche fand im Januar dieses Jahres statt.
Ich habe im Gefängnis Schweres erleben müssen. Schlimm war es für mich zu erfahren, dass mein Kind, meine heute 8jährige Tochter, erkrankt war. Auch ihre Erkrankung, die sie bis heute nicht überwunden hat, ist eine Folge der schlechter Ernährung und der Gefängnisstrafe ihres Vaters.

Meine bitteren sieben Jahre verbrachte ich nicht nur in den Kerkern von Fidel und Raul, sondern auch in ihren Hospitälern, auf bewachten Stationen für Häftlinge, denn ich wurde systematisch krank gemacht. Mehrfach war ich dem Tod nahe. Insgesamt bin ich sieben Mal in ein Hospital eingeliefert worden, habe 39 Kilogramm meines Körpergewichtes verloren und kann bis heute kein festes Essen zu mir nehmen.

Im Gefängnis “Kilo 5″ von Pinar del Rio wurde ich absichtlich mit tuberkulosekranken Gefangenen zusammengesperrt, bis ich selbst an TBC erkrankte. Auch mit dieser Grausamkeit wollten sie mich seelisch brechen.

Dann setzte man kriminelle Mitgefangene gegen mich ein, denen eingetrichtert worden war, dass ich ein Terrorist sei. Erst bedrohten mich die Kriminellen nur. Da aber diese „Helfer“ dafür Vergünstigungen von der Gefängnisleitung – mehr oder besseres Essen, Besuche etc. – erhielten, waren sie auch schnell bereit, Gewalt anzuwenden und mich zu schlagen.

Der nächste Versuch war, mich mit Schlafentzug zum Aufgeben zu zwingen. Ich wurde in eine Zelle verlegt, der gegenüber sich ein Tag und Nacht schreiender Gefangene befand. Schließlich wurde ich im “Kilo 5″-Gefängnis zu einem geistig verwirrten Gewaltverbrecher gesperrt. Es ist mir nichts geschehen.

Das Gefängnis”leben” zu überleben war nur möglich, weil ich von der internationalen Solidarität wusste und der Liebe meiner Frau, Tochter und Mutter sicher war. Von Mitgefangenen erfuhr ich, dass die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte mich zum Ehrenmitglied ernannt hatte. Dass gab mir Kraft.

Ich erfuhr ebenfalls im Gefängnis von der Solidarität der Mothers Against Repression, bei denen meine Mutter Blanca Gonzales mitarbeitet, dem Einsatz der Damen in Weiß, denen meine Frau Yaris angehört, von dem Engagement der Studenten in Giessen, des PEN Club, der Gefangenenhilfsorganisation Plantados in Miami und vieler anderer Menschen guten Willens, die sich für mich einsetzten. Ich erfuhr, dass meine Mutter mit ihren Freundinnen nach Deutschland zur IGFM gereist war und die Politiker Arnold Vaatz und Dieter Dombrowski sowie der Herausgeber der Tageszeitung Die Welt, Thomas Schmitt, sich für mich einsetzten.

Ihnen allen gebührt mein aufrichtiger Dank.
Gott sei mit ihnen!”