Rangliste der Pressefreiheit 2022 veröffentlicht

 

© Reporter ohne Grenzen

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Heute zum Internationalen Tag der Pressefreiheit hat Reporter ohne Grenzen Deutschland die weltweite Rangliste der Pressefreiheit für das Jahr 2022 veröffentlicht. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Lage in Deutschland sichtbar verschlechtert: 2021 lag Deutschland noch auf Rang 13, nun auf 16. Im letzten Jahr hat insbesondere Gewalt gegen Medienschaffende auf Demonstrationen zugenommen.

Die vollständige Rangliste ist auf der Homepage von “Reporter ohne Grenzen” einsehbar.

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Unsere Kolumne: “Die Russen machten Jagd auf uns”

In der April-Kolumne berichtet Susann Franke über den ukrainischen Multiformat-Journalisten Mstyslav Chernov, der als einer der letzten Reporter aus der von russischen Truppen bombardierten Stadt Mariupol die grausame Realität des Krieges geschildert hatte. Sein Schicksal zeigt, dass Putin seinen Angriffskrieg nicht nur mit militärischen Waffen führt, sondern auch mit propagandistischen Fake-News die Deutung des Kriegsgeschsehens zu beeinflussen versucht. Journalisten wie Chernov kämpfen mit der Macht des Wortes für die Wahrheit. Lesen Sie hier den ganzen Beitrag.

Rückblick: Hermann Kesten-Preis 2020/21

In der letzten Woche haben zwei unserer Mitglieder die Verleihung des Hermann-Kesten-Preises im Staatstheater Darmstadt besucht. Da die Verleihung im vergangenen Jahr ausgefallen ist, wurden bei der diesjährigen Veranstaltung drei Personen mit dem Preis des deutschen PEN-Zentrums geehrt. Die Veranstaltung wurde von Michel Friedman moderiert, der neu gewählte PEN-Präsident Deniz Yücel hielt eine Begrüßungsrede.

Den Förderpreis für das Jahr 2020 erhielt die ägyptische Journalistin Lina Attalah. Nachdem die Zeitung “Egypt Independent”, für die sie schrieb, 2013 geschlossen wurde, gründete sie im selben Jahr das Online-Nachrichtenportal “Mada Masr”. Es besteht bis heute und gilt als eines der letzten unabhängigen Medien in Ägypten.

Den Hermann Kesten-Preis des vergangenen Jahres erhielt der Journalist Günter Wallraff. In seiner Laudatio hob der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir die Bedeutung von Wallraffs Industriereportagen hervor und seinen unermüdlichen Einsatz für die Benachteiligten in der Gesellschaft. Seine in den 1970er Jahren entwickelten investigativen Recherchemethoden sind bis heute stilprägend für Journalist*innen in aller Welt.

Irena Brežná ist die diesjährige Preisträgerin des mit 10.000 Euro dotierten Preis. Die Schriftstellerin, die 1968 von der Slowakei in die Schweiz kam, hat sich in ihrem journalistischen wie literarischen Werk immer wieder mit Menschenrechten befasst und vielbeachtete Reportagen etwa über den Tschetschenien-Krieg in den 1990er Jahren veröffentlicht.

Im Anschluss an die Ehrungen kamen Deniz Yücel, Michel Friedman, Irena Brežná, Günter Wallraff sowie Cem Özdemir zu einem Podiumsgespräch zum Stellenwert der Meinungsfreiheit zusammen.

Die Reden aller Laudator*innen können hier nachgelesen werden.

Der PEN-Präsident Deniz Yücel eröffnet die Veranstaltung

Der PEN-Präsident Deniz Yücel eröffnet die Veranstaltung

Die ägyptische Journalistin Lina Attalah, Preisträgerin des Förderpreises 2020

Die ägyptische Journalistin Lina Attalah, Preisträgerin des Förderpreises 2020

Günter Wallraff erhält den Herrmann Kesten-Preis 2020

Günter Wallraff erhält den Hermann Kesten-Preis 2020

Irena Brežná ist die diesjährige Preisträgerin

Irena Brežná ist die diesjährige Preisträgerin

Podiumsdiskussion im Anschluss an die Preisverleihung

Podiumsdiskussion im Anschluss an die Preisverleihung

 

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Gerbergasse 18-Themenheft “Zensur” (Ausgabe 2/2021)

Cover_GG18_H99Wo beginnt Zensur und wo wird sie mit dem Schutz von Grund- und Menschenrechten oder der Anwendung des Strafrechts verwechselt? Die komplexen Debatten um die Phänomene Identitätspolitik, kulturelle Aneignung und eine sogenannte Cancel Culture haben zuletzt gezeigt, wie dünn die gegenseitige Toleranz oftmals ausgebildet ist und wo die demokratische Diskussionskultur an ihre Grenzen stößt. Ehemals ein Herrschaftsinstrument, um Widerspruch und abweichende Meinungen mundtot zu machen, richtet sich der Zensurvorwurf inzwischen – meist pauschal – gegen alle und jeden. Passend dazu behaupten ganze Gruppen: „Das ist ja wie in der DDR!“, um sich gegen die Corona-Schutz-maßnahmen zu wehren oder die Bericht-erstattung „der Medien“ insgesamt zu ächten. Gefährlich und schief sind solche Vergleichs-maßstäbe nicht zuletzt, weil damit das tatsächliche Ausmaß von SED-Unrecht verharmlost und die gesellschaftliche Sehschärfe gegenüber Extremismus gemindert werden. Im Themenschwerpunkt ZENSUR der aktuellen „Gerbergasse 18“ werden historische Fälle geschildert, die aber auch den Blick auf die Gegenwart schärfen möchten.

Gerbergasse 18, H. 99 (2/2021)
3,50 €

Stimmen der Hoffnung. Aufzeichnungen, Gedichte, Texte der Belarussischen Freiheitsbewegung

Stimmen der Hoffnung_CoverDie Rufe nach Freiheit, die im August 2020 in Belarus begannen, haben nicht nur eine bunte und vielfältige Protestkultur hervorgebracht, sondern setzten ungewöhnliche Energien auch in künstlerischer Hinsicht frei. In den sozialen Netzwerken und bei den Protesten kursierten Reden, Erzählungen, Traumprotokolle und Gedichte. Plötzlich hatten die eine Stimme, die sonst nur schweigen durften. Stimmen der Hoffnung sammelt diese Stimmen und. macht sie durch Übersetzung auch hierzulande sichtbar. Der Band vereint Texte aus dem vielfältigen Kreis der Protestierenden in Belarus – professionelle Autoren und Menschen, die das während der Proteste Erlebte spontan schriftlich ausgedrückt haben. Ausgewählt werden Texte von denen, die an den Protesten aktiv teilgenommen haben, auch aber von denen, die das Geschehen von zu Hause aus unterstützt haben. Der Band dokumentiert die Stimmen von Menschen, die es wagen, gegen autokratische Verhältnisse für die Freiheit und die Demokratie aufzustehen. Inzwischen ist die Protestbewegung massiv unter Druck geraten. Zwischen den Stimmen der Hoffnung stehen Berichte von Protestierenden, die von der Staatsmacht verhaftet und festgesetzt, zum Teil auch misshandelt wurden. Aber auch sie ließen sich nicht mundtot machen. Sie erzählen ihre Geschichten.

Alina Lisitzkaya (Hrsg.): „Stimmen der Hoffnung. Aufzeichnungen, Gedichte, Texte der belarusischen Freiheitsbewegung“
Zweispachige Ausgabe
Verlag: Das Kulturelle Gedächtnis
22 €

Exklusives Interview von Gefangenes Wort mit Bobomurod Abdullaev

Bobomurod Abdullaev (© Reporter ohne Grenzen/RSF)

Bobomurod Abdullaev (© Reporter ohne Grenzen/RSF)

Im Zuge der Recherche zur Juli-Kolumne hatten wir die Gelegenheit, ein schriftliches Interview mit dem usbekischen Journalisten Bobomurod Abdullaev zu führen, der derzeit in Deutschland im Exil lebt. An dieser Stelle veröffentlichen wir das vollständige Interview, wobei wir Bobomurod Abdullaev ausdrücklich für seine Zustimmung hierfür danken möchten.

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Unsere Kolumne: Pseudonym durch fatalen Fehler aufgeflogen

Im Juli stellen wir in unserer monatlichen Kolumne das Schicksal des usbekischen Journalisten Bobomurod Abdullaev vor, der 15 Jahre lang das Regime des autoritär regierenden Präsidenten Islom Karimov kritisierte, indem er seine Artikel unter einem geheimen Pseudonym veröffentlichte. Nachdem seine Tarnung aufgeflogen war, musste er fliehen. Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Digitale Podiumsdiskussion. Pressefreiheit: (k)ein Thema für Europa?

Poster_HomepageGefangenes Wort e.V. lädt gemeinsam mit der Fachjournalistik Geschichte (JLU Gießen) und dem ZMI (JLU Gießen) zur digitalen Podiumsdiskussion am Tag der Pressefreiheit ein. Inwiefern die Pressefreiheit und die Einschränkung dieser auch ein Thema für die europäische Presselandschaft – insbesondere der britischen und österreichischen – ist, wird in der digitalen Veranstaltung diskutiert werden. Es wird um den Einfluss der Boulevardmedien auf den demokratischen Meinungsbildungsprozess gehen sowie die jeweiligen Angriffe auf öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wie die BBC bzw. den ORF. Ferner wird es auch darum gehen, welche Rolle Whistleblower spielen, ein prominentes Beispiel wäre hier der australische Journalist und WikiLeaks Gründer Julian Assange. Hierzu haben wir verschiedene Podiumsgäste eingeladen: Nina Horaczek (Falter), Friedbert Meurer (Deutschlandradio) und Dr. Rubina Möhring (Reporter ohne Grenzen, Österreich). Moderiert wird die Veranstaltung von Ulrike Weckel (Professorin für Fachjournalistik Geschichte, JLU).

Die Veranstaltung wird am 3. Mai über Zoom stattfinden und beginnt um 19:30 Uhr.

https://us02web.zoom.us/j/89910326717?pwd=MkdZZ0gxTDZPM2xMQzU2aHZ6RUhKQT09

Meeting ID: 899 1032 6717 / Passcode: 784321

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

 

Zensiert! Die Geschichte der Meinungsfreiheit (ZEIT GESCHICHTE 2/21)

Zeit-Geschichte Zensiert CoverNoch nie konnten so viele Menschen ihre Meinung öffentlich äußern wie heute im Zeitalter der sozialen Medien, noch nie war die Freiheit so grenzenlos. Trotzdem wächst das Gefühl, bei bestimmten Themen nicht frei sprechen zu können – weil der »Mainstream« zu mächtig, die Kritik zu hasserfüllt ist. Mehr als 150 überwiegend amerikanische Intellektuelle beklagen im Juli 2020 eine »Atmosphäre von Zensur« in den Debatten – mit »schweren Vergeltungsmaßnahmen« für diejenigen, die sich »vermeintliche sprachliche oder gedankliche Entgleisungen« leisten. Neu ist daran, dass der Liberalismus nicht nur von rechts unter Druck gerät; auch linke Protestbewegungen erheben ihre Moral zum Dogma. Und wie frei ist die Meinung, wenn es Internetriesen wie Twitter sind, die entscheiden, welcher Lautsprecher vom Netz genommen wird?
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Nidzara Ahmetasevic vorübergehend inhaftiert

Nidzara Ahmetasevic ist eine bosnische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin, die über die Situation von Migranten und Flüchtlingen in Bosnien und Herzegovina arbeitet und seit 2015 Menschenrechtsverletzungen und Gewaltaten auf der Balkan-Route dokumentiert. Erst vor kurzem wurde sie aufgrund anhaltender Bedrohungen und Einschüchterungen, denen sich in Bosnien lebende JournalistInnen und MenschenrechtsaktivistInnen vermehrt ausgesetzt sehen, als Human Rights Defender  aufgenommen. Am 06.03. wurde sie nun willkürlich in Sarajevo für mehrere Tage festgenommen, wie frontlinedefenders hier berichtet.

Trauer um Katja Behrens

Wir sind tief traurig über den Tod von Katja Behrens. Die Autorin verstarb am Abend des 6. März. Sie war eine frühe Unterstützerin katja_behrensunseres Vereins und gab den Anstoß für die Gründung von Gefangenes Wort. Ihren Leitspruch “Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere Schreiben dürfen.” haben wir auch zu unserem gemacht. Mit ihr verlieren wir eine wichtige Schriftstellerin und Kämpferin für die Meinungsfreiheit.