Pressegespräch zur Vereinsgründung

Gefangenes Wort wird Verein

Die gemeinnützige, studentische Initiative „Gefangenes Wort“ gab auf einem Pressegespräch bekannt, dass sich ihr Status verändert hat und sie sich ab sofort offiziell als Verein bezeichnen darf.

Die Vereinsmitglieder Michael Weise, Kathy Gareis, Elena Müller, Mirka Jersch und Benjamin Kling haben die Beweggründe für diesen Schritt in einem Gespräch mit Vertretern der ansässigen Medien erläutert. Dabei wurden u.a. die Ereignisse geschildert, die zur Gründung der Initiative führten und welche Ziele der Verein weiterhin verfolgt.

Seinen Ursprung hat „Gefangenes Wort“ in einem Germanistikseminar, dass im Jahr 2008 von Hon.-Prof. Dr. Sascha Feuchert an der Giessener Universität gegeben wurde. Unter dem Thema „Literaturpolitik, Literaturevent und Literaturereignis“ wurde die Wichtigkeit der Medien und der Meinungsfreiheit in unserer heutigen Zeit diskutiert und führte dazu, dass sich eine Kleingruppe bildete, die im Rahmen des „Writers-in-Prison“-Day (Gedenktag für Autoren in Gefangenschaft) eine Aktion plante, um auf Missstände in anderen Ländern aufmerksam zu machen. So kam es im Januar 2009 zum ersten Bücherflohmarkt, dessen Erlös einer verfolgten Autorin (Mainat Kourbanova/Russland) gespendet wurde.

Im Laufe der folgenden Jahre wuchs die Unterstützer Zahl der Initiative „Gefangenes Wort“ stetig an und es wurden weitere Veranstaltungen organisiert, um Autoren, Schriftsteller oder Journalisten im Ausland zu unterstützen, die sich für Meinungsfreiheit einsetzen, aber von ihrer jeweiligen Regierung dafür bestraft oder verhaftet werden.

Veranstaltungen:

27./18.01.2009

  • Ausstellung und Bücherflohmarkt zugunsten von Mainat Kourbanova (Russland)

18./19.11.2009

  • Ausstellung und Bücherflohmarkt zugunsten von Normando Hernandez Gonzalez (Kuba) sowie eine Lesung mit Dirk Sager (Vizepräsident des PEN)

15.-18.11.2010

  • Ausstellung und Bücherflohmarkt zugunsten von Ahmed Zeidabadi (Iran)

15.11.2010

  • Filmvorführung „Gefesselte Worte“ mit anschließender Diskussionsrunde

19.06.2011

  • Lesung von Texten inhaftierter Autoren bei „Fluss mit Flair“

Sommersemester 2011

  • Uni-Seminar zum Thema „Zensiert – Verfolgt – Vertrieben – Ermordet: Unterdrückte Literatur in Geschichte und Gegenwart“ mit Hon-Prof. Dr. Sascha Feuchert

14.-17.11.2011

  • Ausstellung und Bücherflohmarkt zugunsten von Dzmirty Bandarenka (Belarus)

20.03.2012

  • Teilnahme an der Aktion „Worldwide Reading for Liu Xiaobo“ in Kooperation mit hr2

07.04.2012

  • Start der Kooperation mit dem Gießener Anzeiger

23.04.2012

  • Buchverschenkaktion im Seltersweg zum Welttag des Buches

05.06.2012

  • Konzert: „Nixtapes Vol. 1: Rocken für die Meinungsfreiheit“

09.11.2012

  • Lesung unter dem Slogan „W.i.E. (Writers in Exile) erzählt Amer Mater“

26.-29.11.2012

  • Ausstellung und Bücherflohmarkt zugunsten von Muharrem Erbey (Türkei), Issah Tikumah (Ghana)

Das Ziel all dieser Veranstaltungen war es, die Menschen auf das Schicksal verfolgter Autoren und die Missstände in anderen Ländern aufmerksam zu machen und Geld oder Unterschriften in Petitionen zusammeln, um den Verfolgten zu helfen.

„Mit der nun erfolgten Vereingründung erhofft sich „Gefangenes Wort“ über die Grenzen der Universität hinaus Kontakte zu knüpfen und vielen Menschen, die sich für dasselbe Ziel engagieren wollen, den Beitritt so zu erleichtern“, so Vereinsvorsitzender Michael Weise.

Für den aktuell anstehenden Bücherflohmarkt (26./27.11 Rathaus, 28./29.11 Universität – Philosophikum 1) sammelt „Gefangenes Wort“ den Erlös für drei unterschiedliche Zwecke. Je ein Drittel kommt den verfolgten Autoren Issah Tikumah (Ghana) und Muharrem Erbey (Türkei) zugute. Tikumah lebt zurzeit im Exil in Kap Verde, weil er wegen regimekritischer Äußerungen das Land verlassen musste, und ist von zwei seiner Kinder getrennt, die noch in seiner alten Heimat sind.

Erbes sitzt derzeit im Gefängnis in der Türkei, weil er sich als Anwalt für Menschenrechte einsetzte, was in den Augen der Regierung als staatsfeindliche Aktionen interpretier wurde.

Das dritte Drittel fließt in das Projekt „Städte der Zuflucht“, welches der Verein in Gießen etablieren möchte. Ziel dieses Projekts ist es, einem verfolgten Autor für eine bestimmte Zeit eine Unterkunft, sowie Geld und eine Arbeitsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen, damit dieser wieder seinem Beruf nachgehen kann. Der Plan, Gießen als eine „Stadt der Zuflucht“ zu etablieren ist ein langwieriges Unterfangen, für sich der Verein bereits mit der Oberbürgermeisterin und dem Kulturamt Kontakt aufgenommen hat, um die Realisierung zu prüfen. Vor allem die Unterstützung durch die Stadt, aber auch durch lokale Unternehmen, würde helfen die Umsetzung dieses Vorhabens zu realisieren.