Für politisches Engagement saß der weißrussische Journalist Dzmitry Bandarenka in Haft

GIESSEN (red). Auf die Bedrohung und Verfolgung von Schriftstellern und Journalisten wollen Studierende der Justus-Liebig-Universität (JLU) aufmerksam machen. Deshalb haben die jungen Leute im Jahr 2008 die Initiative „Gefangenes Wort“ gegründet und zahlreiche Aktionen gestartet. Um noch intensiver auf Einzelschicksale hinzuweisen, kooperiert der Gießener Anzeiger mit der Studierendeninitiative und stellt jeweils am ersten Samstag des Monats einen Fall auf der Hochschulseite vor. Diesmal berichtet Mirka Jersch über den weißrussischen Journalisten Dzmitry Bandarenka.

Für das Recht auf freie Meinungsäußerung

Studenten verteilen Bücher zum »Welttag des Buches«
Wer am Montagmittag auf dem Seltersweg unterwegs war, der konnte auffallend vielen Menschen begegnen, die ein Buch mit sich herumtrugen. Die Initiative »Gefangenes Wort« machte mit Buchgeschenken auf den »Welttag des Buches« aufmerksam.
Es waren an diesem Tag nicht die röstfrischen Kaffeebohnen oder die neuesten
modischen Kreationen, die das Interesse auf sich zogen. Vielmehr bildete sich um bunte
Bananenkartons, gefüllt mit Büchern, eine Menschenmenge. Fünf Aktivistinnen der
studentischen Initiative Gefangenes Wort verschenkten diese zum »Welttag des
Buches«.
Seit 1995 ist der 23. April, von der UNESCO ausgerufen, der Tag, an dem »die Kultur des geschriebenen Wortes und die Rechte ihrer Autoren« weltweit ins Blickfeld gerückt
werden. Wer also am Montag auf Gießens Verkaufsmeile den Konsum im Blick hatte, der wurde schnell abgelenkt: »Guten Tag, dürfen wir Ihnen ein Buch schenken?« Manch einen machte das misstrauisch. »Wo ist denn hier der Haken?«, fragt ein junger Mann. Doch bei den meisten ist das Interesse groß. Eine Frau hätte gerne einen historischen Roman, eine andere sieht in dem Büchertisch wohl eher einen Flohmarkt und fragt nach dem zweiten Band ihres Lieblingskrimis.
Anne freut sich über das große Interesse der Passanten an den Büchergeschenken. »Ich habe als Kind gerne gelesen. Es freut mich, wenn ich heute anderen mit Büchern eine Freude machen kann.« Die Studentin der Komparatistik, einer Fachrichtung der Literatur und Kulturwissenschaft, möchte mit der Aktion andere zum Lesen anregen und den Spaß daran fördern. Doch um Unterhaltung alleine geht es der Initiative »Gefangenes Wort« nicht, darauf verweisen die eigens hergestellten Lesezeichen.
Seine Meinung frei zu äußern, ein Buch schreiben und veröffentlichen und frei entscheiden zu können, was man lesen möchte, ohne Repressalien zu befürchten, ist hierzulande selbstverständlich. So selbstverständlich, dass der Wert der Meinungsfreiheit, wie sie in Artikel 19 der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte formuliert wurde, oft in Vergessenheit gerät. Dass aber auch heute noch auf der ganzen Welt Schriftsteller und Journalisten in Gefängnissen sitzen oder um ihr Leben fürchten müssen, weil sie ihr Recht auf Meinungsäußerung ausüben, wurde den Gießener Studenten in einem Seminar zum Thema »Literaturpolitik, Literaturevent, Literaturereignis« bewusst. Die damalige Vorsitzende des deutschen »Writers-In-Prison-Comittee«, Katja Behrens, inspirierte hier mit ihrem Vortrag die Gruppe zur Gründung der Initiative »Gefangenes Wort«. Durch öffentliche Kampagnen und Petitionen, aber auch kulturelle Veranstaltungen, versuchen sie seitdem, »auf die bedrohliche Situation jener Menschen aufmerksam zu machen, die aufgrund ihrer literarischen, journalistischen, verlegerischen oder künstlerischen Tätigkeiten unter Repressionen leiden, zensiert, bedroht oder inhaftiert werden.«, wie es in ihren Leitlinien heißt. 2011 rückte die Gruppe die politische Situation in Weißrußland ins Blickfeld. Einen Bücherflohmarkt am Gedenktag der Schriftstellervereinigung PEN für »writers in prison« nutzte die Gruppe, um das Schicksal des weißrussischen Schriftstellers und Journalisten Dzmitry Bandarenka vorzustellen. Der war in Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung zu zwei Jahren Haft in der Strafkolonie Mahiljou verurteilt und inhaftiert worden. Mit dem Flohmarkt konnten mehr als 3000 Euro zu seiner Unterstützung und 400 Unterschriften für eine Petition zur Freilassung Bandarenkas gesammelt werden. »Bandarenka ist frei!« meldet nun der Newsticker zur Meinungsfreiheit auf der Homepage der Initiative unter www.gefangenes-wort.de.
Ob Am Welttag des Buches, dem Gedenktag »writers in prison«, mit Konzerten, Lesungen und andere Aktivitäten – für die stets Unterstützer gesucht werden – die Gruppe wird weiterkämpfen, gemäß ihrem Leitspruch von Katja Behrens: »Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere Schreiben dürfen.« Doris Wirkner

Dzmitry Bandarenka ist frei!

Dzmitry Bandarenka ist gestern nach über einem Jahr Haft freigelassen worden. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme will er nach eigenem Bekunden seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit in Belarus fortsetzen. Auch Andrej Sannikov, für dessen Kandidatur zur Präsidentschaft sich Bandarenka bei den Wahlen 2010 eingesetzt hatte, wurde aus dem Gefängnis entlassen. Einige Fotos und Statements von Bandarenka sind unter folgendem Link zu sehen bzw. lesen:

http://charter97.org/en/news/2012/4/15/50831/

 

Werkstattgespräch mit Schriftstellerin Katja Behrens

GIESSEN. Weißrussland nach der Präsidentschaftswahl im Dezember 2010. Weil er sich an einer Demonstration gegen die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko beteiligt hat, wurde der Journalist und Regimekritiker Dzimitry Bandarenka zu zwei Jahren Strafkolonie verurteilt. Mit seinem Schicksal steht Bandarenka nicht allein, denn weltweit sind Schriftsteller und Publizisten gerade wegen ihrer Tätigkeit Repressalien ausgesetzt. Um verfolgten Autoren zu helfen, hat sich 2008 die studentische Initiative „Gefangenes Wort“ gegründet, die zu diesem Zweck seit 2009 regelmäßig unter anderem Bücherflohmärkte veranstaltet und die Erlöse des Marktes im vergangenen Jahr Bandarenka zukommen lässt.
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3161 Euro erwirtschaftet

Aus: Gießener Anzeiger, 22. November 2011

 

Hochschule 

3161 Euro erwirtschaftet

22.11.2011

Bücherflohmarkt der Initiative „Gefangenes Wort“ läuft gut
GIESSEN (olz). Eine beachtliche Bilanz: Mit ihrem Bücherflohmarkt zum Writers-in-Prison-Day hat die Initiative „Gefangenes Wort“ 3151 Bücher verkauft und dadurch insgesamt einen Erlös von 3161 Euro erwirtschaftet. Der Markt, der in der vergangenen Woche von Montag bis Donnerstag zunächst im Rathaus und später im Foyer des Philosophikum I stattfand, war zugunsten des in Weißrussland inhaftierten Journalisten Dzimitry Bandarenka veranstaltet worden.

Als Regimekritiker, Berater des Oppositionskandidaten Andrej Sannikow und Demonstrant gegen die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko wurde Bandarenka im Umfeld der Präsidentenwahl im Dezember 2010 verhaftet. Nicht nur wirtschaftlich hilft die Initiative, an der sich zurzeit etwa 20 Ehrenamtler beteiligen, sondern auch mit einer Petition, die im Lauf des Flohmarkts von über 400 Unterstützern unterschrieben wurde, und die die Freilassung des inhaftierten Autors erreichen soll.

Wer bei „Gefangenes Wort mitmachen möchte: Informationen gibt es unter www.gefangenes-wort.de. Es sind auch Nicht-Universitätsangehörige willkommen.

Es ist geschafft!

Nach vier langen, anstrengenden, aber auch lustigen und ereignisreichen Bücherflohmarkttagen ziehen wir Bilanz:

Mehr als 400 Personen haben auf unserer Petition für Dzmitry Bandarenka unterschrieben, das ist wahnsinnig toll. Wir konnten darüberhinaus unser Ergebnis vom letzten Jahr toppen, es wurden 3151 Bücher verkauft. Dabei wurde ein Erlös von sage und schreibe 3161,36€ erzielt. Wir freuen uns riesig, dass so viele Besucher beim Flohmarkt waren und möchten uns an dieser Stelle bei allen Unterstützern bedanken.

Ein Dank gilt dem Kulturamt und den Hausmeistern im Gießener Rathaus, insbesondere Frau Eidmann und Herrn Kornemann. Ebenso bedanken möchten wir uns bei Herrn Stoodt von der GSW, der uns kostenlos einen Lagerraum für die übrig geblieben Bücher zur Verfügung stellt und Herrn Rodemann für die Vermittlung. Ein weiterer Dank gilt den Verantwortlichen der UB, insbesondere Frau Krehbiehl-Knell, denn auch dort können wir einige Bücher lagern, was uns bereits im vergangenen Jahr einige Sorgen erspart hat. Danke auch an die Tierökologie für die Bereitstellung des VW-Busses für den Büchertransport. Und zu guter Letzt, in der Hoffnung, niemanden vergessen zu haben, vielen Dank an alle Leute, die so fleißig Bücher gespendet haben! Die Resonanz war mit 190 Bananenkisten riesig in diesem Jahr, wir freuen uns schon auf 2012.

Der erste Tag unseres Bücherflohmarkts

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Zahlreiche Leseratten und Bücherwürmer sind gleich am ersten Tag unseres Bücherflohmarkts anlässlich des “Writers-in-Prison-Days” ins Gießener Rathaus gestürmt und haben sich mit allen möglichen literarischen Werken eingedeckt. Sogar unsere Oberbürgermeisterin, Frau Dietlind Grabe-Bolz schaute auf einen kurzen Blick vorbei, stöberte … Continue reading

Dzmitry Bandarenka – Weißrussland

Autor-Patenschaft 2011

Zur Person
- * 28. September 1963
- verheiratet mit Olga Bandarenka, gemeinsame Tochter Julia
-  Bandarenka ist Gründer der Menschenrechtsorganisation Charter`97 und Koordinator der Bürgerkampagne Europäisches Belarus
-  während der Präsidentschaftswahlen 2010 war er Pressesprecher und Stellvertreter – des Oppositionskandidaten Andrej Sannikau
- engagiert sich aktiv für die Menschenrechte in Belarus, ist Mitglied der belarussischen Journalistenvereinigung

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Sortieraktion

Die Resonanz auf unseren Aufruf zu Bücherspenden war auch dieses Jahr wieder überwältigend. Privatpersonen, Buchhandlungen und Bibliotheken haben uns Unmengen an Büchern aus allen Bereichen der Literatur überlassen, damit wir sie für einen guten Zweck verkaufen können. Dieses Jahr kommen die Einnahmen dem inhaftierten weißrussischen Autor Dzmitry Bandarenka zugute.

Damit das Stöbern während unseres Bücherflohmarkts nicht all zu chaotisch wird, haben sich die “Gefangenes Wort”-Mitglieder getroffen, um die Bücher nach Genre zu sortieren und in Preiskategorien einzuteilen. Trotz der großen Zahl an Büchern hatten wir viel Spaß bei der Aktion und haben uns schon einmal einen kleinen Überblick über die Literaturlawine machen können, die ab Montag den 14.. November über Gießen rollt.

Jeder, der den Weg zu uns findet, wird mit Sicherheit nicht mit leeren Händen nach Hause gehen. Egal ob man nun Interesse nach Mysterythrillern à la Dan Browns “Illuminati” hat, einen guten Konsalik-Roman zu schätzen weis oder lieber in die romantische Welt von Cecilia Aherns “P.S. Ich liebe dich” abtauchen möchte, für alle Geschmäcker findet sich der richtige Lesestoff.

Bücherkisten abladen

Mahnwache für weißrussische Gefangene

Am 10.November findet in Warschau vor der weißrussischen Botschaft sowie in mehreren europäischen Städten eine Mahnwache für Andrey Sannikau, Dzmitry Bandarenka, Mykola Statkievich und andere politische Gefangene statt. Menschenrechtsaktivisten, weißrussische Oppositionelle und deren Familien protestieren gegen die unrechtmäßige Inhaftierung politischer Gefangener. Wir unterstützen diese Initiative ausdrücklich und fordern die weißrussische Regierung ebenfalls auf, Sannikau, Bandarenka, Statkievich und ihre Mitgefangenen freizulassen.

Free Bandarenka!

“Gefangenes Wort” invite you to visit www.bandarenka.pl
Dzmitry Bandarenka

On the website you may sign the petition on behalf of Mr. Bandarenka and urge Aleksandr Lukashenka and the governor of prison in which Bandarenka is being detained to stop persecutions against him and other political prisoners.

Приглашаем всех присоединится к акции солидарности с Дмитрием Бондаренко, белорусским политзаключенным, приговоренным к 2 годам колонии строгого режима за участие в «массовых беспорядках» 19 декабря 2010 года.
www.bandarenka.pl

Zum „Writers-in-Prison-Day“ am 15. November veranstaltet die Initiative „Gefangenes Wort“ erneut Bücherflohmarkt

02.11.2011 Gießener Anzeiger

GIESSEN (olz). „Es ist ein absoluter Luxus, dass in vielen Ländern Meinungs- und Pressefreiheit herrschen“, sagt Julia Richter, die sich in diesem Jahr an der Organisation des Bücherflohmarktes zum „Writers-in-Prison-Day“ am 15. November beteiligt.. Ziel des Flohmarktes, der am 14. und 15. November im Pausenraum des Rathauses und am 16. und 17. November im Foyer des Philosophikum I veranstaltet wird, ist es, unterdrückten Autoren zu helfen.

Vier Mitglieder der Initiative2011 geht der Erlös aus dem Bücherverkauf, der bereits 2008 an der Justus-Liebig-Universität ins Leben gerufen wurde, an den weißrussischen Journalisten Dzimitry Bandarenka. Hierzulande ist diese Situation schlicht unvorstellbar: Weil er sich im Umfeld der Präsidentenwahl im Dezember 2010 in seinem Heimatland Weißrussland an einer Demonstration gegen die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko beteiligt hat, wurde der Journalist Dzimitry Bandarenka zu zwei Jahren Strafkolonie verurteilt. Und es soll gesundheitlich schlecht stehen um den jahrelangen Regimekritiker und Berater des Oppositionskandidaten Andrej Sannikow.

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Aufruf zu Bücherspenden…

Anlässlich des kommenden “Writers-in-Prison-Day” (Tag der inhaftierten Autorinnen und Autoren) am 15. November veranstalten wir auch dieses Jahr vom 14.11 bis einschließlich 17.11 eine Ausstellung, sowie einen Bücherflohmarkt, der im Rathaus (14.&15.11.) und im Foyer von Haus A im Philosophikum I (16.&17.11)  stattfindet. Aus diesem Anlass bitten wir um Bücherspenden. Der Erlös der verkauften Bücher kommt heuer dem weißrussischen Autor Dimitry Bandarenka zugute, der in einem Straflager interniert ist und schwere gesundheitliche Probleme hat.

Die Bücher können in dem Zeitraum vom 10.10. – 07.11.2011 jeweils

- Di., 15h-19h, Do., 10-14h, im Literarischen Zentrum Gießen e.V., Lonystraße 2 (Kongresshalle), bei Manuel Emmerich, sowie
- Mo.-Do., 11h-15h in Phil. I, Haus B, Raum 141 und 140a

abgegeben werden. Zudem gibt es am Samstag, den 5.11. den ganzen Tag die Möglichkeit, Bücher im Literarischen Zentrum Gießen abzugeben.

Aufgrund der Erfahrungen aus den Bücherflohmärkten der letzten Jahre bitten wir Sie vorwiegend Belletristik und neuere Sachbücher zu spenden, sowie auf Zeitschriften und Bildbände zu verzichten.