W.i.E. erzählt… Umar Abdul Nasser

Photo credit - Maximilian Gödecke

Photo credit – Maximilian Gödecke

Der irakische Schriftsteller, Dichter und Filmemacher Umar Abdul Nasser versteht es, Lyrik, Musik und Bilder miteinander zu verknüpfen. Der Autor liest aus seinen Texten und untermalt diese multimedial. Seine Arbeit wurde vom IS als unvereinbar mit dem islamischen Recht angesehen. Seine Gedichte erzählen von Frieden und Freiheit.

Umar Abdul Nasser (*1985) ist ein irakischer Schriftsteller, Dichter und Filmemacher. Er versteckte sich zwei Jahre lang vor dem IS, bevor er es schaffte, das Land für ein Stipendien-Aufenthalt bei ICORN in Breslau (2017 bis 2019) zu verlassen. Von Juli 2019 bis Juni 2022 war er Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland und des Vereins „Weimar – Stadt der Zuflucht“.

Wann: 15. September 2022, 19:30 Uhr

Wo: Prototyp, Georg-Philipp-Gail-Straße 5, 35394 Gießen

Eintritt frei

Um Spenden wird gebeten.

Eine Kooperation von Gefangenes Wort und ZellKultur – Büro für angewandte Kultur und Bildung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe “Leseland Hessen”.
Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Medienpartner hr2-Kultur.

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“Große Geschichten verstecken sich vermutlich in dieser Spiegelwelt”

“Ihre Zunge ist so scharf wie die Messer eines Metzgers und gnadenlos. Ihre liebste Beschäftigung besteht darin, sich über das Leben der anderen genau zu informieren und darüber zu plaudern (…).” geb_SU

Wie eine der Figuren Abbas Khiders in seinem Roman “Brief in die Auberginenrepublik” (Nautilus Verlag 2013) kann auch das Buch als solches beschrieben werden. Scharf wie ein Messer, gnadenlos und genau. Der zunächst plauderhafte und für den Leser angenehm nachvollziehbare Tonfall täuscht nicht über die Schwermütigkeit und thematische Tiefe des Romans hinweg. Abbas Khider schickt seinen Leser mit einem von Salim Al-Kateb an seine Freundin Samia verfassten Brief auf eine Odyssee quer durch die arabische Welt. Salim, der aufgrund angeblich “illegalen Buchbesitzes” verhaftet und gefoltert geworden, letztlich jedoch im Exil untergetaucht ist, macht ein Netzwerk von illegalen Briefboten ausfindig und vertraut ihnen eine Nachricht an seine Geliebte an. Der Brief begibt sich mitsamt dem Leser auf eine schier unendliche Reise vorbei an der Zensur quer durch Arabien. Immer begleitet von Menschen verschiedenster kultureller, religiöser und moralischer Hintergründe, werden dem Leser auf seiner Briefreise unterschiedlichste Schicksale und Lebensumstände eröffnet.

Abbas Khider vermag es durch eine ständig wechselnde Perspektive der Ich-Erzähler ebenso wie durch seine schonungslosen und emotional anrührenden Schicksalsbeschreibungen, den Leser tief mit in die Zustände und Ereignisse der arabischen Länder Ende der Neunzigerjahre zu nehmen. So lernen wir neben Salim, dem ehemaligen Literaturstudenten (und Absender des Briefes) auch Walid, den – nach kurzer Haft – in Folge einer “Lungenentzündung” verstorbenen Autor und dessen Freund Majed kennen. Ebenso begegnen wir aber auch dem Polizisten Kamal und Oberst Ahmed, die der Reise des Briefes wie auch dem Verlauf der Geschichte eine neue Wendung geben. Ob der Brief seine Empfängerin Samia jemals erreichen wird? Nur soviel sei verraten: So unbeschwert die Reise zunächst beginnen mag, so dramatisch ist auch ihr Wendepunkt…

Abbas Khider, welcher 1996 nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe selbst aus dem Irak floh und seit dem Jahr 2000 in Deutschland lebt, schreibt mit “Brief in die Auberginenrepublik” ein bewegendes und informierendes Buch, das seinem Leser orientalische Hitze- wie politische Kälteschauer gleichermaßen über den Rücken jagt und bis zur letzten Seite nicht loslässt.

(Seit Neuestem als Taschenbuch erhältlich im btb Verlag)