Hoffnung auf Meinungs- und Pressefreiheit im Iran noch weit von der Erfüllung entfernt.

Golrokh-Ebrahimi-Iraee-1In unserer November Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet Madelyn Rittner über die iranische Autorin und Aktivistin Golrokh Ebrahimi Iraee, die aufgrund einer verschriftlichten Kritik an der Praktik des Steinigens zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Auch ihren Mann, den Menschenrechtsaktivisten Arash Sadeghi, verurteilte das Gericht wegen Propaganda- und Konspirationsvorwürfen zu 19 Jahren Haft. Durch einen Hungerstreik konnte dieser eine kurzzeitige Haftentlassung Iraees bewirken. Am 22. Januar 2017 wurde die Schriftstellerin jedoch erneut festgenommen.

Der ganze Artikel lässt sich hier nachlesen.

Weg sein – hier sein

Weg sein - hier sein - CoverWenige Themen werden in Europa mit mehr Leidenschaft diskutiert als das der Flüchtlinge. Doch die Betroffenen selbst nehmen daran nicht teil. Woher kommen sie eigentlich? Wie sah ihr Alltag aus, ihr Leben zwischen Wohnung, Arbeit, Familie, Freunden und Nachbarn? Welche Welt, welche Lieben und Sehnsüchte haben sie verlassen, und wie schwer ist es, in der neuen Welt einen Platz zu finden mit neuen Lieben und Sehnsüchten? Was löst es bei ihnen aus, wenn der europäische Mob Häuser anzündet, die zu ihrem Schutz gebaut wurden, wenn kaltherzige Politiker Angst vor ihnen schüren?
Dieses Buch soll die Stimme der Literatur hörbar machen, um überhaupt die Voraussetzung für eine ernsthafte »Flüchtlingsdebatte« zu schaffen, die sich um Schicksale dreht und nicht um Obergrenzen. Die jetzt in deutscher Sprache vorliegenden Texte können nur ein Anfang sein. Aber sie geben ihren Autoren eine Stimme zurück, von der wir hoffen, dass sie an vielen Orten zu hören sein wird.
Zu den Autoren gehört auch Amer Matar, der im November 2012 im Rahmen unserer Lesereihe “W.I.E. erzählt…” in Gießen zu Gast war.

“Exilliteratur im Jahre 2016. Reflektiert, anspruchsvoll und ohne das Pathos der Wehleidigkeit. Stimmen, die hierzulande so bislang nicht zu vernehmen waren – und doch das Hierzulande thematisieren.” (Jürgen Deppe in Neue Bücher auf NDR Kultur / 24 October 2016)

Weg sein – hier sein.
Mit einem Vorwort von Sherko Fatah
und 19 Porträtfotografien von Mathias Bothor
Secession Verlag für Literatur
24,00 €

Die Meinungsfreiheit auf der Frankfurter Buchmesse

Leerer MessestandDie Freiheit des Wortes fand in diesem Jahr auf der Buchmesse in Frankfurt gleich zu Beginn große Aufmerksamkeit. Salman Rushdie, der seit Jahrzehnten verfolgte und bedrohte Autor, sprach gleich zu Beginn der Messe über die Relevanz der schriftstellerischen  Meinungsfreiheit. Unmut über den Besuch des indisch-britischen Autors zeigte sich am iranischen Messestand – der blieb in diesem Jahr leer.

Einen Auszug aus Rushdies Rede (bitte Untertitel unbeachtet lassen) und einen Blick auf den erschreckend leeren Stand des Iran gibt es auf Youtube:

Salman Rushdies Rede

Messestand ohne Bücher

Auch Ahmad Zeidabadi ist endgültig frei

Die nächsten guten Neuigkeiten: Auch Ahmad Zeidabadi, iranischer Autor, Journalist und Wissenschafter, ist endgültig frei. Nachdem Zeidabadi im Mai diesen Jahres zwar aus dem Gefängnis entlassen wurde, jedoch direkt danach nach Gonabad ins inneriranische Exil gehen musste, wurde nun bekannt, dass die Verbannung aufgehoben wurde und Ahmad Zeidabadi endlich wieder frei ist. Wir sind überglücklich und freuen uns mit der Familie Zeidabadi.

Seit dem Jahr 2010 hat sich Gefangenes Wort für die Freilassung Zeidabadis eingesetzt und durch Zeitungsartikel, Ausstellungen und Petitionen auf sein Schicksal aufmerksam gemacht.

Iranischer Journalist Zeidabadi muss ins inneriranische Exil

Um den Writers-In-Prison-Day im Jahre 2010 hatte Gefangenes Wort, damals noch eine studentische Initiative, den Fall des iranischen Journalisten Dr. Ahmad Zeidabadi ins Zentrum seiner Aktivitäten gerückt und eine Autoren-Patenschaft übernommen. Der Erlös des damaligen Bücherflohmarktes kam seiner Familie zugute. Eine Petition mit zahlreichen Unterschriften ließen wir mit einer förmlichen Protestnote dem Iranischen Botschafter in Deutschland zukommen. Nun endete seine Haftzeit, nicht jedoch die Repression gegen ihn:

Rückblick: Zeidabadi war immer wieder staatlichen Repressalien ausgesetzt

Der nunmehr 50-jährige Ahmad Zeidabadi zählt zu den bekanntesten reformorientierten Journalisten im Iran und gilt als Experte für die politische Situation des Nahen Ostens. Er promovierte an der Universität in Teheran mit der Arbeit „Religion and Government in Israel“. U.a. schrieb für die gemäßigte Zeitung Hamshahri und zuletzt für Rooz Online, eine Nachrichtenwebseite mit Sitz in Belgien. Er war Mitglied der prodemokratischen Studentenvereinigung Daftar-e Tahkim-e Vahdat [Office for Strengthening Unity] und wurde 2008 zum Präsidenten der Graduiertenvereinigung Advar-e Tahkim-e Vahdat ernannt, welche sich für staatliche Reformen und die Verbesserung der Menschenrechtssituation im Iran einsetzen. Aufgrund seiner journalistischen Arbeiten, Essays und Kommentare über den Zustand der Meinungs- und Pressefreiheit sowie der Menschenrechtslage im Iran wurde er seit 2000 mehrfach staatlichen Repressalien ausgesetzt und inhaftiert.

Sechs Jahre Gefängnis und lebenslanges Berufsverbot nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen

Im Zuge der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste gegen die umstrittene iranische Präsidentschaftswahl wurde Zeidabadi, der einen oppositionellen Kandidaten unterstützte, erneut verhaftet. Seine Frau Mahdieh Mohammadi, die ihren Mann erst nach 53 Tagen besuchen durfte, berichtete in einem Interview mit der Deutschen Welle, dass Zeidabadi die ersten 35 Tage in einer 1 Meter mal 1,5 Meter kleinen Zelle in Isolationshaft eingekerkert saß und psychische wie körperliche Folter erleiden musste, bevor es überhaupt zum Prozess kam. Dieser entwickelte sich infolge zu einem im Fernsehen übertragenen Schauprozess, der unter Missachtung jeglicher internationaler Rechtsnormen verlief, so die Analyse zahlreicher Menschenrechtsorganisationen. Wegen „Propaganda gegen das islamische Regime und seine Institutionen“ und „Gefährdung der nationalen Sicherheit durch provokative Standpunkte“ wurde Zeidabadi schließlich zu einer sechsjährigen Gefängnisstrafe mit anschließender fünfjähriger Verbannung ins Exil nach Gonabad und einem lebenslangen Verbot jeglicher politischer, sozialer und journalistischer Tätigkeiten verurteilt.

Am 21. Mai musste Zeidabadi direkt nach Gonabad – “We feel so oppressed.”

Wie die Nachrichtenagentur Human Rights Activists News Agency nun mitteilte, musste Ahmad Zeidabadi nach Ablauf seiner Gefängnisstrafe am 21. Mai 2015 unmittelbar den Weg in die Verbannung nach Gonabad im Nordosten Irans antreten. Sämtliche Kosten des Transfers wurden ihm zudem auferlegt. Nach Quellen der International Campaign for Human Rights in Iran wurde Zeidabadis Familie zuvor in Aussicht gestellt, dass die fünfjährige Verbannung auf zwei Jahre reduziert wird. Eine offizielle Bestätigung von Seiten der iranischen Behörden erfolgte jedoch bislang nicht. Am 19. Mai schrieb seine Frau Mahdieh Mohammadi Gorgani in einem Facebook-Post: “We were waiting for Ahmad to be released on May 21 after six years in prison, but now they say they will take him to exile from prison. We feel so oppressed.”

Urteil entbehrt rechtsstaatlicher Grundlage

Gefangenes Wort e.V. setzt sich weiterhin für die Aufhebung des Berufsverbotes und der Verbannung ein. Ahmad Zeidabadi hat die – unserer Ansicht nach ungerechtfertigte – Haftstrafe verbüßt. Ein anschließendes inneriranisches Exil und ein lebenslanges Berufsverbot entbehren der rechtsstaatlichen Grundlage. Der Iran hat eine Reihe von UN-Menschenrechtsabkommen ratifiziert oder unterschreiben, die auch die Meinungsfreiheit verbürgen. Ahmad Zeidabadi hat von seinen Rechten auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit friedlich Gebrauch gemacht.

 

Adressen für Appelle an die Oberste Iranische Justizbehörde und die Iranische Botschaft Deutschland (zusammengestellt von Amnesty International). Bitte schreiben Sie höflich und sachlich.

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
c/o Public Relations Office
Number 4, 2 Azizi Street intersection
Tehran
IRAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Quellen und weitere Informationen

Zum Welttag gegen Internetzensur: Reporter ohne Grenzen macht gesperrte Nachrichtenwebsites wieder zugänglich

Heute ist der Welttag gegen Internetzensur. Zu diesem Anlass hat Reporter ohne Grenzen neun zensierte bzw. gesperrte Nachrichtenwebsites in elf Ländern zugänglich gemacht. Unter folgendem Link findet man die entsprechenden Websites, die unter anderem in Russland, China und Saudi-Arabien eigentlich nicht zugänglich sind.

Lesung mit Bahman Nirumand in Darmstadt

Bahman NirumandAm Freitag, den 31.10., stellt der iranisch-deutsche Schriftsteller Bahman Nirumand seine Autobiographie “Weit entfernt von dem Ort, an dem ich sein müßte” im Literaturhaus Darmstadt (Kasinostraße 3) vor. Moderiert wird die Veranstaltung vom Writers-in-Prison-Beauftragten des deutschen PEN, Sascha Feuchert. Nirumand war einer der führenden Oppositionellen während des Schah-Regimes und später bei der Bildung der Islamischen Republik im Iran. Nach seiner Flucht spielte er eine maßgebliche Rolle in der Führung der iranischen Auslandsopposition und ist heute einer der besten Kenner der politischen Situation im Iran. Weitere Infos finden Sie hier.

Gefängnis der Zensur

Es muss nicht immer physische Gewalt oder deren Androhung sein, mit der ein Regime versucht, Menschen zu unterdrücken und in ihrer Freiheit einzuschränken. Oft fängt Unfreiheit schon da an, wo es ist schlicht und einfach nicht möglich ist, das zu schreiben, was man denkt, zu erzählen was einen bewegt oder wovon man träumt. Manchen Autoren etwa müssen bei jedem Versuch. ein Buch zu veröffentlichen, mit der Zensur kämpfen.Die Erfahrung, dass die Schikane der iranischen Regierung einem die Freiheit nehmen kann, auch wenn man nicht hinter sichtbaren Gittern lebt, hat auch Mohammed Baharlo gemacht.

Bücherflohmarkt für inhaftierte Regimekritiker

Die in der Initiative “Gefangenes Wort” engagierten Studierenden der JLU haben wieder ihren Bücherflohmarkt eröffnet. Um Geld und Unterschriften für den im Iran inhaftierten 45-jährigen Journalisten Ahmad Zeidabadi zu sammeln, haben die jungen Leuten ihren Verkaufsstand zum ersten Mal auch im neuen Rathaus aufbauen dürfen, im dortigen Pausenraum im Untergeschoss des Gebäudes.
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Ahmad Zeidabadi – Iran

Portrait Ahmad ZeidabadisAutor-Patenschaft 2010

Zur Person:

Ahmad Zeidabadi, 1965 in der iranischen Provinz Kerman geboren, zählt zu den bekanntesten reformorientierten Journalisten im Iran und gilt als Experte für die politische Situation des Nahen Ostens. Er promovierte an der Universität in Teheran mit der Arbeit „Religion and Government in Israel“. U.a. schrieb für die gemäßigte Zeitung Hamshahri und zuletzt für Rooz Online, eine Nachrichtenwebseite mit Sitz in Belgien. Er war Mitglied der prodemokratischen Studentenvereinigung Daftar-e Tahkim-e Vahdat und wurde 2008 zum Präsidenten der Graduierten- vereinigung Advar-e Tahkim-e Vahdat ernannt, welche sich für staatliche Reformen und die Verbesserung der Menschenrechtssituation im Iran einsetzen.

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Gefangenes Wort kämpft für den iranischen Journalisten Zeidabadi (Gießener Anzeiger)

Initiative „Gefangenes Wort“ kämpft für iranischen Journalisten Ahmad Zeidabadi

GIESSEN (fod). Ahmad Zeidabadi ist Journalist im Iran und setzt sich seit Jahren für staatliche Reformen und eine Verbesserung der Menschenrechtssituation ein. Hierfür wie auch für seine Beteiligung an den Massenprotesten auf Teherans Straßen verbüßt der 45-Jährige nun eine sechsjährige Haftstrafe, noch dazu wurde er zu fünf Jahren Verbannung ins Exil und einem lebenslangen Schreibverbot in seinem Heimatland verurteilt. Als die in der Initiative „Gefangenes Wort“ engagierten Studierenden der Justus-Liebig-Universität (JLU) davon hörten, war ihnen sofort klar: Zeidabadi muss geholfen werden.
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