Die sichtbaren und unsichtbaren Gefängnisse

Die von Friedenspreisträger Liao Yiwu konzipierte Ausstellung, die im Rahmen des 12. internationalen literaturfestivals berlin (ilb) im Haus der Berliner Festspiele im September 2012 erstmals zu sehen war, eröffnet am 26.1. 2013 in der Hamburger Kunsthalle.

Die Idee zur Ausstellung basiert auf dem Konzept von Liao Yiwu, dem Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2012. Durch die Initiative von Nikolaus Broschek, Alexander Sairally und Karl-Heinz Zillmer kann die Präsentation nun auch in Hamburg im Rahmen der Lessingtage in Kooperation zwischen dem Thalia Theater und der Hamburger Kunsthalle, mit freundlicher Unterstützung u.a. des ilb wieder gezeigt werden.

Die Ausstellung „Die sichtbaren und die unsichtbaren Gefängnisse“ unternimmt den Versuch, einen historischen Bogen von der Kulturrevolution (1966 – 1976) bis zum heutigen China zu ziehen und abstrakte Begriffe von Freiheit und Unfreiheit mit Hilfe von Wort und Bild erfahrbar zu machen. Sie zeigt Werke der chinesischen Künstler Tsering Dorjee, Meng Huang, Ai Weiwei, Liu Xia und Liao Yiwu, die auf eigene Weise die Erinnerung an innere und äußere Gefängnisse thematisieren.

1989 wurde Liao Yiwu wegen seines Gedichtes über das Massaker am 4. Juni auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ für vier Jahre ins Gefängnis gesperrt. Nach seiner Entlassung stand er unter strenger Überwachung durch die Behörden. Seine Manuskripte wurden konfisziert, seine Bücher verboten, seine Ausreiseanträge abgelehnt; 2011 ging er ins Exil nach Berlin. Die Arbeiten der Lyrikerin und Künstlerin Liu Xia – sie ist die Ehefrau des Schriftstellers Liu Xiaobo – sind seit Langem nicht mehr der chinesischen Öffentlichkeit zugänglich. Seit Xiaobos Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis im Jahr 2010 steht sie wieder unter Hausarrest. Ai Weiwei wurde 2011 für 81 Tage inhaftiert und anschließend wegen Steuerdelikten angeklagt. Seitdem darf er China nicht mehr verlassen.
Die Ausstellung läuft vom 27. Januar bis 3. Februar 2013. Täglich von 11 bis 17 Uhr. Montag geschlossen. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter:

http://www.hamburger-kunsthalle.de/index.php/die-sichtbaren-und-die-unsichtbaren-gefaengnisse.html

 

Ausstellung “Kassiber. Verbotenes Schreiben”

Im Deutschen Literaturarchiv Marbach findet ab dem 27. September 2012 eine Ausstellung zum Thema Schreibverbot und Zensur statt. Unter dem Titel “Kassiber. Verbotenes Schreiben” zeigt die Ausstellung in zehn Kapiteln das Schreiben als Weg ins Freie bis in unsere Zeit der Twitter-Revolutionen. Das deutsche PEN-Zentrum gestaltet einen eigenen Raum, u.a. mit Aufzeichnungen von Liao Yiwu, der 1990 wegen »Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda mit ausländischer Hilfe« in China zu vier Jahren Haft verurteilt und jetzt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde.

Mehr dazu unter:

http://www.dla-marbach.de/dla/museum/ausstellungen/wechselausstellungen/index.html