Vier Jahre Kolumne im Gießener Anzeiger

Nach vier Jahren, in denen knapp 50 Autorenschicksale von Mitgliedern unseres Vereins auf der Hochschulseite des Gießener Anzeigers veröffentlicht wurden, schließt Kathy Gareis mit dem Jubiläumsartikel einen Kreis. In ihrer Kolumne für den Mai berichtet sie über die syrische Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Samar Yazbek wie vor vier Jahren im allerersten Artikel. Sie schildert, was in diesem Zeitraum geschehen ist und wie sich das Leben von Yazbek, aber auch ihre Sichtweisen geändert haben.

Zwischen zwei Welten

Vor über anderthalb Jahren setzte in Syrien der sogenannte Arabische Frühling ein. Doch die Proteste der Bevölkerung leiteten keinen friedlichen Umbruch ein. Stattdessen wurden sie von den syrischen Sicherheitskräften brutal unterdrückt. Dennoch gingen die Demonstrationen gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad weiter, der seinerseits immer kompromissloser gegen die eigene Bevölkerung vorging. Nach Schätzungen verschiedener Menschenrechtsorganisationen kamen bisher über 26 000 Menschen bei den Protesten und Kämpfen ums Leben. Fast zehnmal so viele Syrer sind seit Beginn des Konfliktes aus ihrem Heimatland geflüchtet. Einer von ihnen ist Amer Matar.

Larissa Bender (Hg.): Syrien. Der schwierige Weg in die Freiheit

Mit Beiträgen von Omar Alasaad, Ivesa Lübben, Ahmad Hissou, Khawla Dunia, Gabriela Keller, Amer Mattar, Rami Nakhla, Omar Kaddour, Norbert Mattes, Salam Kawakibi, Samar Yazbek, Carsten Wieland, Rosa Yassin Hassan, Kristin Helberg, Yassin Al Haj Saleh, Mouaffaq Nyrabia, Michal Shammas, Friederike Stolleis und einem Ausblick von Volker Perthes.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dietz-Verlag

14,90 €

“Aufgerissene Körper und rohes Fleisch”

Studentische Initiative “Gefangenes Wort” macht auf die Verfolgung von Schriftstellern und Journalisten aufmerksam

Berichtet vom Kampf um Freiheit in ihrer Heimat: die syrische Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Samar Yazbek bei einer Kundgebung. Foto: Gefangenes Wort

Das Seminar hatte etliche Studierende angelockt. Denn bereits der Titel „Literaturpolitik, Literaturevent und Literaturereignis“ versprach einen engen Bezug zur Praxis. Und genau das ist für angehende Germanisten besonders wichtig. Schließlich ist ihr Berufsbild nicht konkret umrissen. Das wiederum bietet Chancen auf dem Arbeitsmarkt, aber eben auch Risiken. Für einige Hochschüler der Justus-Liebig-Universität (JLU) wurde die Veranstaltung obendrein zum Ausgangspunkt zu einem bemerkenswerten Engagement. Gemeinsam gründeten sie nämlich die Initiative „Gefangenes Wort“, die sich für verfolgte Schriftsteller und Journalisten in der ganzen Welt einsetzt. Künftig werden die Studierenden nun regelmäßig im Anzeiger das Schicksal eines verfolgten Autors präsentieren.

Die Schriftstellerin Katja Behrens war im November 2008 der Einladung von Honorarprofessor Sascha Feuchert nach Gießen gefolgt und hatte in dem Seminar ihre Arbeit in der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. erläutert. Zudem hatte die damalige Vorsitzende des deutschen „Writers-in-Prison-(Autoren-im-Gefängnis)-Komitees“ über die Verfolgung von Autoren in vielen Staaten der Welt berichtet. „Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere schreiben dürfen“, betonte die resolute Publizistin damals. Und das nahmen mehrere Studierende zum Anlass, gemeinsam auf die Bedrohung von Autoren hinzuweisen. Seither wird regelmäßig im Herbst – aus Anlass des Writers-in-Prison-Day am 15. November – bei einem Bücherflohmarkt Geld gesammelt, um Schriftsteller und Journalisten zu unterstützen. „Weltweit gibt es 870 Fälle inhaftierter Autoren“, nannte Manuel Emmerich von „Gefangenes Wort“ unlängst Zahlen. Und fügte gleichzeitig hinzu: „Die Dunkelziffer dürfte noch viel höher liegen.“

Um die Bedrohung und Verfolgung der schreibenden Frauen und Männer stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, werden die Studierenden jeweils am ersten Samstag des Monats einen Fall auf der Hochschulseite vorstellen. Zum Auftakt berichtet die Studentin Kathy Gareis von der syrischen Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Samar Yazbek.

 

 

 

Start der neuen Zeitungskolumne von Gefangenes Wort

Am heutigen (Kar-)Samstag startet eine Kooperation von “Gefangenes Wort” und dem Gießener Anzeiger. Mit dem heute erschienen Artikel von Kathy Gareis über die syrische Exilschriftstellerin Samar Yazbek beginnt eine monatlich Kolumnenreihe, bei der unsere Initiative an jedem ersten Samstag im Monat unter der Rubrik “Hochschule” ein Autorenschicksal vorstellen wird. Der vollständige Artikel ist auch auf unserer Homepage im Pressespiegel zu finden.