W.i.E. (Writers-in-Exile) erzählt… Fouad Yazji

© Simone AhrendAm Freitag, den 08.09.2017 setzen wir mit dem syrischen Autor Fouad Yazji unsere Lesereihe “W.i.E. erzählt” fort. Unser Gast liest aus seinem Werk, spricht über seine literarisch-philosophischen Einflüsse (u.a. Friedrich Nietzsche) und berichtet über seine Erfahrungen von Flucht und Exil. Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr und findet im Bildungszentrum Nord (Reichenberger Str. 15, 35396 Gießen) statt. Der Eintritt ist frei.

Neben dem Literarischen Zentrum Gießen, das die Veranstaltungsreihe seit Jahren begleitet, gehört dieses Mal auch das Bildungszentrum Gießen Nord zu den Kooperationspartnern.

Weg sein – hier sein

Weg sein - hier sein - CoverWenige Themen werden in Europa mit mehr Leidenschaft diskutiert als das der Flüchtlinge. Doch die Betroffenen selbst nehmen daran nicht teil. Woher kommen sie eigentlich? Wie sah ihr Alltag aus, ihr Leben zwischen Wohnung, Arbeit, Familie, Freunden und Nachbarn? Welche Welt, welche Lieben und Sehnsüchte haben sie verlassen, und wie schwer ist es, in der neuen Welt einen Platz zu finden mit neuen Lieben und Sehnsüchten? Was löst es bei ihnen aus, wenn der europäische Mob Häuser anzündet, die zu ihrem Schutz gebaut wurden, wenn kaltherzige Politiker Angst vor ihnen schüren?
Dieses Buch soll die Stimme der Literatur hörbar machen, um überhaupt die Voraussetzung für eine ernsthafte »Flüchtlingsdebatte« zu schaffen, die sich um Schicksale dreht und nicht um Obergrenzen. Die jetzt in deutscher Sprache vorliegenden Texte können nur ein Anfang sein. Aber sie geben ihren Autoren eine Stimme zurück, von der wir hoffen, dass sie an vielen Orten zu hören sein wird.
Zu den Autoren gehört auch Amer Matar, der im November 2012 im Rahmen unserer Lesereihe “W.I.E. erzählt…” in Gießen zu Gast war.

“Exilliteratur im Jahre 2016. Reflektiert, anspruchsvoll und ohne das Pathos der Wehleidigkeit. Stimmen, die hierzulande so bislang nicht zu vernehmen waren – und doch das Hierzulande thematisieren.” (Jürgen Deppe in Neue Bücher auf NDR Kultur / 24 October 2016)

Weg sein – hier sein.
Mit einem Vorwort von Sherko Fatah
und 19 Porträtfotografien von Mathias Bothor
Secession Verlag für Literatur
24,00 €

Vier Jahre Kolumne im Gießener Anzeiger

Nach vier Jahren, in denen knapp 50 Autorenschicksale von Mitgliedern unseres Vereins auf der Hochschulseite des Gießener Anzeigers veröffentlicht wurden, schließt Kathy Gareis mit dem Jubiläumsartikel einen Kreis. In ihrer Kolumne für den Mai berichtet sie über die syrische Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Samar Yazbek wie vor vier Jahren im allerersten Artikel. Sie schildert, was in diesem Zeitraum geschehen ist und wie sich das Leben von Yazbek, aber auch ihre Sichtweisen geändert haben.

Kraft durch Literatur

Jeder zweite Syrer ist auf der Flucht, wie die Statistiken des UN-Flüchtlingswerks UNHCR belegen. In unserer monatlichen Kolumne berichtet Manuel Emmerich über den syrischen Schriftsteller Fouad Yazji. Er hat aufgrund der syrischen Revolution sein Haus, sein Auto und vor allem seine Leser verloren. Ende August 2014 wendet er sich hilfesuchend per E-Mail an ein deutsches Kulturinstitut, denn in Kairo ist er ohne Job und ohne Geld mittellos.

Sein Hilferuf blieb nicht ungehört, das deutsche PEN-Zentrum wurde kontaktiert und so hat auch der Verein Gefangenes Wort e.V. vom Schicksal des Syrers erfahren. Den vollständigen Artikel hat der Gießener Anzeiger. Alternativ gibt es den Artikel auch als PDF.

Von Regierung und Terroristen bedroht

azzawiIn unserer aktuellen Kolumne im Gießener Anzeiger schreibt Leslie Kuhlmann über den syrischen Schriftsteller Abdelwahhab Azzawi, der in seiner Heimat als einer der schärfsten Kritiker der Regierung gilt – und deswegen fliehen musste.

Der studierte Augenarzt wurde 2012 in der Öffentlichkeit geschlagen, vermutlich steckten regierungstreue Sicherheitsleute dahinter. Mit anderen Worten: Azzawi war in Syrien nicht mehr sicher. Im vergangenen Jahr beschloss er daher, gemeinsam mit seiner Frau und den zwei Töchtern in den Jemen zu flüchten. Auch dort wurde seine Familie jedoch bedroht. Azzawi flüchtete nach Deutschland, er folgte einer Einladung des Universitätsklinikums Saarland. Seine Familie musste im Jemen bleiben. Wann er sie wiedersieht, weiß der Schriftsteller nicht.

Den Artikel können Sie entweder direkt auf der Webseite des Gießener Anzeigers lesen oder hier als pdf-Datei.

Verse auf Zigarettenpapier herausgeschmuggelt

Kolumne im Gießener Anzeiger

Der syrische Autor Faraj Bayrakdar

Der syrische Autor Faraj Bayrakdar

In der März-Ausgabe unserer Kolumne berichtet Elena Müller vom Schicksal des syrischen Autors Faraj Bayrakdar, der heute im schwedischen Exil lebt.

„Die Freiheit in uns ist größer als das Gefängnis, das uns hält.“ Diesen Satz hat ein Mann geschrieben, der 14 Jahre lang in den schlimmsten syrischen Gefängnissen eingesessen und martialische Folter ausgehalten hat. Faraj Bayrakdar wurde als Gegner des Assad-Regimes inhaftiert, er soll Mitglied der Kommunistischen Arbeiter Partei gewesen sein. Außerdem war er bereits mit 26 Jahren der Herausgeber eines literarischen Magazins, das die Werke junger syrischer Autoren publizierte. Diese Art des Protestes gegen die Regierung hat ausgereicht, um Bayrakdar ohne einen ordentlichen Prozess ins Gefängnis zu werfen…

Lesen Sie den ganzen Artikel hier in der Online-Ausgabe des Gießener Anzeigers.

Alternativ finden Sie ihn auch hier als PDF-Datei zum Herunterladen.

„Dein Ort ist, wo Augen dich ansehen“ – Ein musikalisch-literarischer Abend in Wetzlar

Was fehlt einem Menschen, der aus seiner Heimat fliehen musste, im Exil am meisten? Wahrscheinlich würde jeder einzelne Flüchtling etwas anderes sagen. Da scheint es nicht ganz einfach, zur Hilfe zu kommen. Doch wie leicht es gelingen kann, ein Stück Heimat zu den Flüchtlingen zu holen, hat ein Abend in der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar gezeigt. Mit der literarisch-musikalischen Benefiz-Veranstaltung „Dein Ort ist, wo Augen dich ansehen“ hat die Bibliothek in Kooperation mit dem Verein „Flüchtlingshilfe Mittelhessen“ einen Abend organisiert, der den Syrern, die ihre Heimat verlassen mussten und Zuflucht in Wetzlar gefunden haben, eine Stimme gegeben und dies auf zweierlei Weise: mit Musik und mit Literatur. „Wir haben Sie nicht eingeladen, um über den Krieg in Syrien zu sprechen“, begrüßt Bettina Twrsnick die Gäste, die am vergangenen Freitag zahlreich in der Phantastischen Bibliothek erschienen sind. Twrsnick hat den Abend organisiert und ihm mit Hilfe der syrischen Flüchtlinge einen tollen Rahmen gegeben. Süßer Tee und selbstgemachte syrische Süßigkeiten boten dabei nur den Rahmen für einen kurzweiligen Abend, an dem es voll und ganz gelang, den Menschen, die unter uns leben und doch teilweise neben uns, eine Stimme zu geben. Dies gelang zum einen durch die wunderbare Stimme von Hannelore Marzi. Die Übersetzerin und Erzählerin trug orientalische Märchen vor, Fabeln, die davon erzählen, wie leicht es sein könnte, in Frieden zu leben. Von Männern und Frauen, die im Zusammenleben mit Freunden und Fremden das Richtige tun und somit den Frieden wahren. „Leider sind dies nur Märchen“, sagt Twrsnick. Denn die Wirklichkeit ist deutlich erbarmungsloser. Der, der davon am besten zu berichten weiß, ist Faraj Bayrakdar.Der renommierte Poet lebt heute im Exil in Schweden. In Syrien war er dreimal aufgrund fadenscheiniger Argumente inhaftiert worden und war 14 Jahre lang ein politischer Gefangener des Regimes. Seine Arbeit als Redakteur hat dem Regime nicht gefallen, weshalb versucht wurde, ihn durch Haft zum Schweigen zu bringen. Doch Bayrakdar war mutig und wollte sich seine Stimme nicht verbieten lassen. In seiner Gefangenschaft schrieb er Gedichte, die er auf eng beschriebenem Zigarettenpapier aus dem Gefängnis schmuggelte. Heute ist er ein freier Mann – und ein berühmter Poet. In Wetzlar trägt er seine Gedicht vor, die eindrücklich von dem Schmerz, dem Wunsch nach Freiheit und den Träumen eines Gefangenen erzählen. Bayrakdar liest seine Gedichte auf Arabisch, Marzi liest die deutsche Übersetzung. Beide Male fließen die Worte durch die Bibliothek, beide Male ist es eindrücklich, obwohl die meisten Anwesenden die arabische Version nicht verstehen. Sie transportieren das Leid des Inhaftierten, aber auch den Wille, wieder frei zu sein und dafür auch zu kämpfen.

Der ruhige Mann im Karohemd wirkt dabei nicht wie ein Mann, der jahrelange Unterdrückung erdulden musste. Er ist stolz und diese Haltung zeigt er mit einer bescheidenen Zurückhaltung. Genauso wie die jungen syrischen Musiker, die Twrsnick eingeladen hat, um die Lesung zu begleiten. Am Ende der Veranstaltung sangen alle mit, die die Lieder aus Homs, Aleppo und Damaskus kannten. Einer traute sich sogar, zu tanzen. Damit gelang an diesem Abend, was sich Twrsnick und die Flüchtlingshilfe Mittelhessen so sehr gewünscht hatten: die Gäste blickten auf die Syrier und indem sie an ihrer Literatur und ihrer Musik so aktiv teilhatten, konnten sie den Heimatlosen zumindest für einen Moment ein Stück Heimat zurückgeben.

Elena Müller

„Die Menschen werden massenweise ermordet“

(olz). „Die Bilder in Syrien sind mit den Bildern des Ersten oder
Zweiten Weltkriegs zu vergleichen. Es ist alles kaputt. Die
Menschen werden massenweise ermordet“, sagt Amer Matar.
Auf Einladung der studentischen Initiative „Gefangenes Wort“
war der syrische Journalist, der als Stipendiat des „Writers in
Exile“-Programms des PEN mittlerweile im Exil in München lebt,
zu Lesung und Gespräch ins Café Giramondi gekommen. Vor
rund 30 Zuhörern berichtete er aus seinem Heimatland und von
seiner persönlichen Situation.

Der ganze Artikel

Zwischen zwei Welten

Vor über anderthalb Jahren setzte in Syrien der sogenannte Arabische Frühling ein. Doch die Proteste der Bevölkerung leiteten keinen friedlichen Umbruch ein. Stattdessen wurden sie von den syrischen Sicherheitskräften brutal unterdrückt. Dennoch gingen die Demonstrationen gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad weiter, der seinerseits immer kompromissloser gegen die eigene Bevölkerung vorging. Nach Schätzungen verschiedener Menschenrechtsorganisationen kamen bisher über 26 000 Menschen bei den Protesten und Kämpfen ums Leben. Fast zehnmal so viele Syrer sind seit Beginn des Konfliktes aus ihrem Heimatland geflüchtet. Einer von ihnen ist Amer Matar.

Larissa Bender (Hg.): Syrien. Der schwierige Weg in die Freiheit

Mit Beiträgen von Omar Alasaad, Ivesa Lübben, Ahmad Hissou, Khawla Dunia, Gabriela Keller, Amer Mattar, Rami Nakhla, Omar Kaddour, Norbert Mattes, Salam Kawakibi, Samar Yazbek, Carsten Wieland, Rosa Yassin Hassan, Kristin Helberg, Yassin Al Haj Saleh, Mouaffaq Nyrabia, Michal Shammas, Friederike Stolleis und einem Ausblick von Volker Perthes.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dietz-Verlag

14,90 €

“Aufgerissene Körper und rohes Fleisch”

Studentische Initiative “Gefangenes Wort” macht auf die Verfolgung von Schriftstellern und Journalisten aufmerksam

Berichtet vom Kampf um Freiheit in ihrer Heimat: die syrische Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Samar Yazbek bei einer Kundgebung. Foto: Gefangenes Wort

Das Seminar hatte etliche Studierende angelockt. Denn bereits der Titel „Literaturpolitik, Literaturevent und Literaturereignis“ versprach einen engen Bezug zur Praxis. Und genau das ist für angehende Germanisten besonders wichtig. Schließlich ist ihr Berufsbild nicht konkret umrissen. Das wiederum bietet Chancen auf dem Arbeitsmarkt, aber eben auch Risiken. Für einige Hochschüler der Justus-Liebig-Universität (JLU) wurde die Veranstaltung obendrein zum Ausgangspunkt zu einem bemerkenswerten Engagement. Gemeinsam gründeten sie nämlich die Initiative „Gefangenes Wort“, die sich für verfolgte Schriftsteller und Journalisten in der ganzen Welt einsetzt. Künftig werden die Studierenden nun regelmäßig im Anzeiger das Schicksal eines verfolgten Autors präsentieren.

Die Schriftstellerin Katja Behrens war im November 2008 der Einladung von Honorarprofessor Sascha Feuchert nach Gießen gefolgt und hatte in dem Seminar ihre Arbeit in der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. erläutert. Zudem hatte die damalige Vorsitzende des deutschen „Writers-in-Prison-(Autoren-im-Gefängnis)-Komitees“ über die Verfolgung von Autoren in vielen Staaten der Welt berichtet. „Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere schreiben dürfen“, betonte die resolute Publizistin damals. Und das nahmen mehrere Studierende zum Anlass, gemeinsam auf die Bedrohung von Autoren hinzuweisen. Seither wird regelmäßig im Herbst – aus Anlass des Writers-in-Prison-Day am 15. November – bei einem Bücherflohmarkt Geld gesammelt, um Schriftsteller und Journalisten zu unterstützen. „Weltweit gibt es 870 Fälle inhaftierter Autoren“, nannte Manuel Emmerich von „Gefangenes Wort“ unlängst Zahlen. Und fügte gleichzeitig hinzu: „Die Dunkelziffer dürfte noch viel höher liegen.“

Um die Bedrohung und Verfolgung der schreibenden Frauen und Männer stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, werden die Studierenden jeweils am ersten Samstag des Monats einen Fall auf der Hochschulseite vorstellen. Zum Auftakt berichtet die Studentin Kathy Gareis von der syrischen Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Samar Yazbek.