Gedenken an Anna Politkowskaja

Anna Politkovskaja auf dem Blauen Sofa (Foto: Wiki-Commons)

Anna Politkovskaja auf dem Blauen Sofa (Foto: Wiki-Commons)

Heute vor zehn Jahren wurde die russische Journalistin Anna Politkowskaja im Treppenhaus vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen. Politkowskaja hatte zuvor für die Zeitung Nowaja Gaseta mutig und kompromisslos über den Krieg in Tschetschenien berichtet, wobei sie sich nicht scheute, Verbrechen der russischen Armee anzuprangern, die von offizieller Seite verschwiegen bzw. dementiert wurden. In Deutschland wurde sie vor allem durch ihre Bücher Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg, In Putins Russland und Russisches Tagebuch (alle bei DuMont erschienen) bekannt. Für ihre Arbeit wurde sie u.a. 2003 mit der Hermann-Kesten-Medaille des deutschen PEN-Zentrums und 2005 mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet. Gefangenes Wort widmete Anna Politkowskaja und ihrem unermüdlichen Einsatz für die Pressefreiheit im Rahmen der Ausstellung “Von Rebellen und Ketzern, Träumern und Tollköpfen. Meinungsfreiheit und Zensur weltweit” ein eigenes Plakat, das hier zum Download bereitsteht. Der Internationale PEN gedenkt Anna Politkowskaja heute als ” a tireless champion, a voice for the voiceless and a fearless colleague.”

Texte aus dem Exil

Tschetschenischer Autor Adam Guzuev liest auf Einladung des Vereins “Gefangenes Wort”

GIESSEN (olz). “Nicht Bücher lehren, sondern das Leben”,  sagte der aus Tschetschenien stammende Autor Adam Guzuev am Donnerstag abend im Cafe Zeit-los. Auf Einladung des Vereins “Gefangenes Wort”, des PEN-Zentrums Deutschland und des Germanistikseminars “Engagierte Literatur und ihre Vermittlung” der Justus-Liebig-Universität Gießen war er nach Gießen gekommen, um aus seinem Werk vorzutragen.
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Repressalien und Berufsverbot

GERMANISTIKSEMINAR Studierende der JLU stellen „Engagierte Literatur und ihre Vermittlung“ vor

(olz). Zu einer Lesung mit dem tschetschenischen Autor Adam Guzuev laden der Verein „Gefangenes Wort“, das PEN-Zentrum Deutschland und Studierende des Germanistikseminars „Engagierte Literatur und ihre Vermittlung“ der Justus-Liebig-Universität (JLU) am 20. Juni um 19 Uhr ins „Café Zeitlos“ in der Bahnhofstraße ein.
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W.i.E. erzählt II – Lesung und Diskussion mit Adam Guzuev, Autor, Regisseur und Dokumentarist aus Tschetschenien am 20.06.2013

Weltweit sind Journalisten und Journalistinnen, Schriftsteller und Schriftstellerinnen von Verfolgung, Gefängnis und Folter bedroht. Gerade die globalisierte Medienvernetzung ermöglicht es, Genaueres über aktuelle Missstände und Verfolgungen in Ländern und Regionen weltweit zu erfahren. Damit stellt sich jedoch in verstärktem Maße auch die Frage nach Verantwortung und nach wirksamem Eintreten für verfolgte Menschenrechtsaktivisten, Autorinnen und Autoren.
In Zusammenarbeit mit dem PEN-Zentrum Deutschland und dem Gießener Verein Gefangenes Wort e.V. veranstalten Studierende der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen eine Lesung mit einem aktuellen Stipendiaten des Writers-in-Exile Programms.
Adam Guzuev, 1970 in Tschetschenien geboren, entstammt einer bekannten Theaterfamilie. Nach dem Studium der Philologie arbeitete er als Regisseur und Drehbuchautor beim staatlichen tschetschenischen Fernsehen. Er schrieb Stücke für das Staatstheater in Grosny und verfasste Gedichte, die in tschetschenischen Literaturzeitschriften veröffentlicht wurden.
In seinen Dokumentationen berichtete er über Verbrechen während des Tschetschenienkonfliktes und geriet somit ins Visier der Regierung. Er litt unter Berufsverbot und Repressalien.
Seit dem 1.11.2010 ist Adam Guzuev Stipendiat im Writers-In-Exile Programms des deutschen PEN. In Deutschland setzt er seine schriftstellerische Arbeit weiter fort. Derzeit wird ein Hörspiel mit Texten Guzuevs produziert. Ferner ist er mit Prosatexten und Gedichten in der neuen Anthologie des PEN-Zentrums Fremde Heimat – Texte aus dem Exil (Verlag Matthes & Seitz) vertreten. Im Rahmen der Lesung stellt Guzuev aktuelle schriftstellerische und szenische Arbeiten vor.
Die Veranstaltung findet in der Reihe W.i.E. erzählt statt, die vom Gießener Verein Gefangenes Wort e.V. ins Leben gerufen wurde. Ziel der Leserreihe ist es, den Autorinnen und Autoren des Writers-in-Exile Programms eine Plattform für ihre Arbeit zu bieten. Dieses Programm wurde 1999 vom PEN-Zentrum Deutschland gestartet und verhilft verfolgten Autorinnen und Autoren zu geschützten Arbeitsmöglichkeiten, juristischem Schutz und Unterkunft.
Trotz eines vermeintlich sicheren Lebens befinden sich die Autorinnen und Autoren in der Situation des Exils: Sie sind in einer rechtlich unsicheren Lage, leben mit einer fremden Sprache, sind isoliert von ihren Arbeits- und Veröffentlichungszusammenhängen und getrennt von ihren Familien.
Umso wichtiger ist es, den Stipendiatinnen und Stipendiaten Raum für Lesungen zu eröffnen, um so einen Dialog mit dem Publikum zu ermöglichen. Der Verein Gefangenes Wort e.V. macht auf die prekäre Situation verfolgter Schriftsteller und Schriftstellerinnen in der ganzen Welt aufmerksam, die entgegen dem Artikel 19 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aufgrund ihrer literarischen Tätigkeit mit Repression zu kämpfen zu haben.

Do., 20.06.2013, 19.00 Uhr

Café Zeit-los

Bahnhofstraße 50, 35390 Gießen

Leitung und Organisation:
Kulturelle PraktikerInnen am Institut für Germanistik
der Justus-Liebig-Universität Gießen und Gefangenes Wort e.V.