Prozess gegen Meşale Tolu geht weiter

Gestern ist der Prozess in Istanbul gegen die deutsche Journalistin Meşale Tolu weitergegangen. Der Vorwurf gegen die Journalistin kurdischer Herkunft: “Terrorpropaganda” und “Mitgliedschaft in einer Terrororganisation”. Sie ist nur eine von mehr als 200 Medienschaffenden, die in den letzten viereinhalb Jahren wegen ihrer Arbeit in türkischen Gefängnissen saßen. Reporter ohne Grenzen fordert, Tolu endlich freizusprechen.

Juni-Kolumne zu kurdischer Aktivistin Nurcan Baysal

Türkische Militäroffensive: Rauch steigt im Oktober 2019 zwischen Häusern nach einem Bombenangriff über der nordsyrischen Stadt Ras al-Ain auf. Symbolfoto: dpa

Im Juni geht es in unserer Kolumne im Gießener Anzeiger um die kurdische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Nurcan Baysal. Über die kurdisch-türkische Konfliktlage informiert sie seit einigen Jahren und wurde für ihre Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet. Infolge der türkischen Militäroffensive in Syrien kam es im vergangenen Oktober eine Hausdurchsuchung, eine zehnmonatige Haftstrafe Baysals ist vorerst ausgesetzt.

Zum vollständigen Artikel hier entlang.

Yücels Haft war rechtswidrig

Wir haben immer wieder auch auf Deniz Yücels Fall hingewiesen. Nach seiner Freilassung 2018 folgt nun eine weitere gute Nachricht: Der türkische Verfassungsgerichtshof bestreitet zwar weiterhin, dass Yücel in Untersuchungshaft gefoltert worden sei – trotz dessen gegenteiliger und glaubhafter Aussagen. Doch es stellt fest, dass Yücels Verhaftung rechtswidrig gewesen sei. Das Urteil weist damit auch Edogans Allmachtsanspruch zurück und ist ein kleiner Sieg für die Meinungsfreiheit. Mehr Infos findet ihr bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

W.i.E. erzählt … Aziz Tunc am 20. Februar 2019

Aziz-Tunc-2Es ist bald wieder soweit für eine neue Runde “W.i.E. erzählt”, dieses Mal mit dem kurdisch-alevitischen Autor Aziz Tunç. Am Mittwoch, den 20. Februar, kommt er um 20 Uhr für eine Lesung samt Gespräch zu uns nach Gießen ins Kerkradezimmer in der Kongresshalle. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Ausländerbeirat.

Schon als Jugendlicher hatte Tunç gegen die Militärdiktatur in der Türkei protestiert, kam später ins Gefängnis, erlebte das Massaker von Maraş, über das er zwei Bücher verfasste. Er stand auf der Fahndungsliste der neuen Regierung, musste untertauchen und lebte seit dem Putschversuch 2016 in Deutschland.

Wir freuen uns sehr auf diese spannende Gelegenheit, mehr von Tunçs Arbeit und seinem Leben zu erfahren, und laden Euch ebenfalls herzlich dazu ein. Einen Lageplan findet sich unter folgendem Link. Der Eintritt ist frei.

Freispruch für Deniz Yücel abgelehnt

Der zuständige Richter hat den Antrag auf Freispruch, den Yücels Anwalt Veysel Ok gestellt hatte, abgelehnt und dabei unter anderem auf die “Schwere der Anklage verwiesen”. Yücel nimmt an dem Prozess nicht teil, da er nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft ausgereist war. Weitere Informationen zum Prozess gegen ihn finden Sie hier.

Der harte Kampf verfolgter Autoren um Asyl

In einem Gespräch mit der »Jungen Welt« berichtet Sascha Feuchert, Vizepräsident des PEN-Zentrums Deutschland und Literaturwissenschaftler an der ­JLU Gießen, über die prekäre Lage der in Asyl lebenden Schriftsteller in Deutschland. Den Artikel finden Sie hier auf der Seite der Tageszeitung.

“Habe nichts, wenn mir meine Arbeit weggenommen wird”

© Gefangenes Wort

© Gefangenes Wort

In unserer monatlichen Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet Michael Weise über den kurdisch-alevitischen Schriftsteller Aziz Tunç. Seit der Verhaftungswelle im Zuge des gescheiterten Militärputschs im Juli 2016 ist er zum zweiten Mal in seinem Leben auf der Flucht. Zur Zeit lebt er in einem Asylbewerberheim in Hanau. Die permanente Angst bleibt.

Hier gehts zum Artikel auf der Seite des Gießener Anzeigers.

Asli Erdogan berichtet über ihre Zeit im Gefängnis

Seit dem 29.Dezember 2016 ist die Schritstellerin Asli Erdogan wieder in Freiheit. Vorerst, denn das Gerichtsverfahren gegen Sie dauert an. Wie vielen anderen Journalist*innen, die in der Türkei verhaftet wurden, wird ihr die Gründung und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen.
In einem bewegenden Interview berichtet die Schritstellerin Asli Erdogan in der FAZ über ihre Zeit in einem türkischen Frauengefängnis.

Derzeit sitzen nach Informationen von Reporter ohne Grenzen (ROG) noch mehr als 80 Journalist*innen in türkischen Gefängnissen. In einer Petition fordert daher ROG, der deutsche PEN sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, klar Position zur Lage in der Türkei zu beziehen, die Meinungs- und Pressefreiheitfreiheit in ihren Entscheidungen, Handlungen und Äußerungen kompromisslos und aktiv einzufordern und sie nicht zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Hier kann man mitmachen.

Lebenslang für die Wahrheit

can_duendar_lebenslangIm November 2015 werden Can Dündar, Chefredakteur der regierungskritischen Tageszeitung »Cumhuriyet«, und Erdem Gül, Hauptstadtkorrespondent, verhaftet. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihnen Spionage und Verrat von Staatsgeheimnissen vor, Staatspräsident Erdogan stellt persönlich Strafanzeige und fordert lebenslange Haft. Hintergrund ist ihre Berichterstattung über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Extremisten. Nach drei Monaten kommen die Journalisten vorläufig frei. Anfang Mai beginnt der Prozess: Dündar wird zu sechs, Gül zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In »Lebenslang für die Wahrheit« erzählt Dündar die ganze Geschichte von der Entdeckung der geheimen Waffenlieferungen über die Entscheidung, das belastende Filmmaterial zu veröffentlichen, bis zu den Ereignissen, die der Veröffentlichung folgten: Die Drohungen, die er und die Redaktion erhalten haben, die Angst vor Terroranschlägen, seine Zeit in Einzelhaft. Dündars Aufzeichnungen aus dem Gefängnis zeigen, dass sein Widerstand ungebrochen ist und er nicht aufgeben wird im Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit.

Can Dündar: Lebenslang für die Wahrheit – Aufzeichnungen aus dem Gefängnis
Hoffmann und Campe Verlag
In einer Übersetzung von Sabine Adatepe

„Vehement gegen Kurs von Präsident Erdogan gestellt“

can_dündarVor mehr als einem Jahr haben wir an dieser Stelle über Can Dündar berichtet. Damals deutete sich bereits an, dass dem türkischen Schriftsteller und Journalisten erneut juristische Sanktionen drohten. Hintergrund: Ein Bericht von Mai 2015 in der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, in dem Dündar zusammen mit dem Leiter des Hauptstadtbüros, Erdem Gül, Belege für mögliche Waffenlieferungen der Türkei an syrische Extremisten veröffentlichte. Videos und Fotos sollten dokumentieren, dass der türkische Geheimdienst MIT im Sommer 2014 Waffen an Extremisten in Syrien lieferte. Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte nach Veröffentlichung des Berichts, dass die Verfasser hierfür einen hohen Preis zahlen würden.

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Notwendige Medikamente in Haft verweigert

In unserer September-Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet diesmal Marco Rasch über die türkische Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan und die schwierige Situation in der Türkei nach dem gescheiterten Militärputsch.

Den vollständigen Artikel gibt es unter dem folgenden Link:

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/hochschule/notwendige-medikamente-in-haft-verweigert_17261216.htm

Preis kann „Dein Job, eine Kugel oder Gefängnis“ sein

Quelle: PEN international

Quelle: PEN international

Weil er sich kritisch über das Präsidentenamt Erdogans äußerte sowie über die Einstellung eines Korruptionsverfahrens gegen einige hochrangige Regierungsbeamte und deren Familien, muss sich Can Dündar derzeit vor Gericht verantworten. Am 28. Juni haben wir für den türkischen Journalisten einen Sommerflohmarkt veranstaltet. In unserer monatlichen Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet Julia Richter über das Schicksal des Chefredateurs der Tageszeitung „Cumhuriyet“.

Den Artikel finden Sie hier online oder als PDF.