“Habe nichts, wenn mir meine Arbeit weggenommen wird”

© Gefangenes Wort

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In unserer monatlichen Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet Michael Weise über den kurdisch-alevitischen Schriftsteller Aziz Tunç. Seit der Verhaftungswelle im Zuge des gescheiterten Militärputschs im Juli 2016 ist er zum zweiten Mal in seinem Leben auf der Flucht. Zur Zeit lebt er in einem Asylbewerberheim in Hanau. Die permanente Angst bleibt.

Hier gehts zum Artikel auf der Seite des Gießener Anzeigers.

Asli Erdogan berichtet über ihre Zeit im Gefängnis

Seit dem 29.Dezember 2016 ist die Schritstellerin Asli Erdogan wieder in Freiheit. Vorerst, denn das Gerichtsverfahren gegen Sie dauert an. Wie vielen anderen Journalist*innen, die in der Türkei verhaftet wurden, wird ihr die Gründung und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen.
In einem bewegenden Interview berichtet die Schritstellerin Asli Erdogan in der FAZ über ihre Zeit in einem türkischen Frauengefängnis.

Derzeit sitzen nach Informationen von Reporter ohne Grenzen (ROG) noch mehr als 80 Journalist*innen in türkischen Gefängnissen. In einer Petition fordert daher ROG, der deutsche PEN sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, klar Position zur Lage in der Türkei zu beziehen, die Meinungs- und Pressefreiheitfreiheit in ihren Entscheidungen, Handlungen und Äußerungen kompromisslos und aktiv einzufordern und sie nicht zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Hier kann man mitmachen.

Lebenslang für die Wahrheit

can_duendar_lebenslangIm November 2015 werden Can Dündar, Chefredakteur der regierungskritischen Tageszeitung »Cumhuriyet«, und Erdem Gül, Hauptstadtkorrespondent, verhaftet. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihnen Spionage und Verrat von Staatsgeheimnissen vor, Staatspräsident Erdogan stellt persönlich Strafanzeige und fordert lebenslange Haft. Hintergrund ist ihre Berichterstattung über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Extremisten. Nach drei Monaten kommen die Journalisten vorläufig frei. Anfang Mai beginnt der Prozess: Dündar wird zu sechs, Gül zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In »Lebenslang für die Wahrheit« erzählt Dündar die ganze Geschichte von der Entdeckung der geheimen Waffenlieferungen über die Entscheidung, das belastende Filmmaterial zu veröffentlichen, bis zu den Ereignissen, die der Veröffentlichung folgten: Die Drohungen, die er und die Redaktion erhalten haben, die Angst vor Terroranschlägen, seine Zeit in Einzelhaft. Dündars Aufzeichnungen aus dem Gefängnis zeigen, dass sein Widerstand ungebrochen ist und er nicht aufgeben wird im Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit.

Can Dündar: Lebenslang für die Wahrheit – Aufzeichnungen aus dem Gefängnis
Hoffmann und Campe Verlag
In einer Übersetzung von Sabine Adatepe

„Vehement gegen Kurs von Präsident Erdogan gestellt“

can_dündarVor mehr als einem Jahr haben wir an dieser Stelle über Can Dündar berichtet. Damals deutete sich bereits an, dass dem türkischen Schriftsteller und Journalisten erneut juristische Sanktionen drohten. Hintergrund: Ein Bericht von Mai 2015 in der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, in dem Dündar zusammen mit dem Leiter des Hauptstadtbüros, Erdem Gül, Belege für mögliche Waffenlieferungen der Türkei an syrische Extremisten veröffentlichte. Videos und Fotos sollten dokumentieren, dass der türkische Geheimdienst MIT im Sommer 2014 Waffen an Extremisten in Syrien lieferte. Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte nach Veröffentlichung des Berichts, dass die Verfasser hierfür einen hohen Preis zahlen würden.

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Notwendige Medikamente in Haft verweigert

In unserer September-Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet diesmal Marco Rasch über die türkische Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan und die schwierige Situation in der Türkei nach dem gescheiterten Militärputsch.

Den vollständigen Artikel gibt es unter dem folgenden Link:

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/hochschule/notwendige-medikamente-in-haft-verweigert_17261216.htm

Preis kann „Dein Job, eine Kugel oder Gefängnis“ sein

Quelle: PEN international

Quelle: PEN international

Weil er sich kritisch über das Präsidentenamt Erdogans äußerte sowie über die Einstellung eines Korruptionsverfahrens gegen einige hochrangige Regierungsbeamte und deren Familien, muss sich Can Dündar derzeit vor Gericht verantworten. Am 28. Juni haben wir für den türkischen Journalisten einen Sommerflohmarkt veranstaltet. In unserer monatlichen Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet Julia Richter über das Schicksal des Chefredateurs der Tageszeitung „Cumhuriyet“.

Den Artikel finden Sie hier online oder als PDF.

Sommer-Bücherflohmarkt

Benefiz-Bücherflohmarkt für die Arbeit von Gefangenes Wort e.V.

Außer der Reihe des jährlichen Bücherflohmarkts gibt es dieses Jahr einen Open-Air-Sommer-Bücherflohmarkt. Wie gewohnt findet ihr bei uns jede Menge Romane, Krimis, Fach- und Sachbücher sowie internationale Literatur.

  • Wann? Sonntag, den 28. Juni 2015,11:00 – 16:00 Uhr
  • Wo? Berliner Platz 2, Gießen (vor der Kongresshalle; Bushaltestelle direkt vor Ort)

Kommt vorbei Freunde und kauft Bücher für den guten Zweck und zur anregenden Lektüre! Der Erlös kommt dem türkischen Journalisten und Dokumentarfilmer Can Dündar zugute, der wegen angeblicher Diffamierung vor Gericht steht. Nähere Informationen zu seinem Fall finden Sie unter: http://www.pen-deutschland.de/de/2015/05/24/tuerkei-naechste-gerichtsverhandlung-des-journalisten-can-duendar-fuer-september-angesetzt/

Unsere Veranstaltung sowie viele weitere Infos findet Ihr auch auf Facebook.

Zehnmonatige Haftstrafe für Twitter-Nachricht

fazil_sayAuch in der Türkei erschienen Teile des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, als es nach dem Anschlag Anfang Januar eine Woche später mit einer Rekordauflage von sieben Millionen in 16 Sprachen und 25 Ländern herauskam. Kurz darauf folgte in der Türkei eine Zugangssperre zu allen Webseiten, die das Cover dieser Ausgabe zeigten, das als „religiöse Beleidigung“ angesehen wurde.

Für das Verfassen einiger Twitter-Nachrichten, die ein türkisches Gericht ebenfalls als Beleidigung des Islams ansah, wurde der türkische Pianist Fazil Say zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel aus unserer Kolumne im Gießener Anzeiger. Alternativ können Sie den Aritkel auch als PDF aufrufen.

Erdogan-Kritik als „kriminelle Diffamierung“

Erol_ÖzkorayIn unserer monatlichen Kolumne im Gießener Anzeiger berichtet dieses Mal Julia Richter über den türkischen Sozialwissenschaftler und Journalisten Erol Özkoray, der im September zu einer hohen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, weil er Fotos der Gezi-Park Proteste in seinem Buch abdruckte.

Als die türkische Regierung im Mai 2013 endgültig entschied, ein Einkaufszentrum auf dem Gelände des Gezi-Parks in Istanbul zu errichten, wurde die Grünanlage zum Zentrum einer Protestbewegung. Diese richtete sich schnell nicht mehr nur gegen die Bebauungspläne, sondern vor allem gegen die als autoritär empfundene Politik der Regierungspartei AKP und gegen Recep Tayyip Erdogan, den zu jenem Zeitpunkt Vorsitzenden der Partei.

Über die Tage des Protests und die Besetzung des Gezi-Parks berichteten auch der Journalist und Herausgeber Erol Özkoray und seine Frau Nurten 2013 in ihrem Buch „Gezi Fenomeni“ (Das Phänomen von Gezi). Beide hatten bei ihren Recherchen Presseartikel über die Massenproteste und die Reaktion der Sicherheitskräfte ausgewertet. Weil sie die Proteste der Demonstranten auch dokumentierten, indem sie Fotos von deren Bannern, Plakaten und Graffiti abdruckten, die sich kritisch gegen Erdogan richteten, musste sich Erol Özkoray nun vor Gericht verantworten.

Sie können den vollständigen Artikel entweder auf der Website des Gießener Anzeigers oder hier als pdf-Datei lesen.

Ausstellung „Von Rebellen, Ketzern, Träumern und Tollköpfen. Meinungsfreiheit und Zensur weltweit“

Ausstellung14Ihr habt es nicht geschafft, unsere Ausstellung „Von Rebellen, Ketzern, Träumern und Tollköpfen. Meinungsfreiheit und Zensur weltweit“ in der VHS Landkreis Gießen zu besuchen? Dann habt Ihr vom 16. Oktober bis zum 23. November in der Gießener Universitätsbibliothek die Möglichkeit, dies nachzuholen.

In China wird „Pu der Bär“ zensiert, in Belarus werden Menschen inhaftiert, weil sie klatschen. In Mexiko sterben jedes Jahr Journalisten, weil sie Korruption und Drogenhandel anprangern. Weltweit wird das Recht auf Meinungsfreiheit immer wieder bedroht, eingeschränkt oder radikal unterdrückt. Die Ausstellung zum Thema Meinungsfreiheit und Zensur zeigt anhand historischer und aktueller Beispiele, wie sich das Recht auf freie Meinungsäußerung entwickelt hat und in welchem Verhältnis die jeweiligen Zensurpraktiken dazu stehen. Im Vordergrund stehen hierbei die Länder Deutschland, Ungarn, Russland, die Türkei, China, Äthiopien und Mexiko, die sowohl historisch als auch in Hinsicht auf die aktuelle Lage der Meinungsfreiheit thematisiert werden. Neben den schriftlichen Dokumenten verleihen Bilder, dreidimensionalen Exponate sowie Kunstobjekte des freien Künstlers Pjervoj Ogonjok der Ausstellung Anschaulichkeit.

Die Vernissage findet am Donnerstag, den 16. Oktober 2014, um 18 Uhr in der UB statt, alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Eröffnet wird die Ausstellung von der Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, dem Bibliotheksdirektor Dr. Peter Reuter und unserem Vereinsmitglied Lars Meuser. Anschließend besteht die Möglichkeit, die Ausstellung bei einem Umtrunk zu erkunden.

Umstrittenes Urteil gegen Pinar Selek außer Kraft

Gefangenes Wort e.V. begrüßt mit Erleichterung die Entscheidung des türkischen Kassationsgerichts, das umstrittene Urteil einer lebenslangen Freiheitsstrafe für die türkische Friedensaktivisten, Journalistin und Soziologin Pinar Selek außer Kraft zu setzen. Nach mehr als 16 Jahren scheint der Justizskandal eine Ende zu nehmen.

Pinar Selek hat sich insbesondere durch ihre Studien über die Situation von Minderheiten wie Kurden und Armenier und diskriminierten Gruppen wie Lesben, Transsexuelle und Straßenkinder einen Namen gemacht. Ende der 1990er-Jahre ist sie während ihrer Recherchen über die kurdische PKK unter Terrorverdacht geraten. Am 9. Juli 1998 kam es auf dem “Ägyptischen Basar” in Istanbul zu einer verheerenden Explosion mit fast 130 Verletzten und sieben Toten. Die Journalistin ist aufgrund ihres Engagements rasch ins Fadenkreuz der türkischen Sicherheitsbehörden und der Justiz geraten. Selek saß ohne Rechtsbeistand zwei Jahre in Untersuchungshaft und ist nach eigenen Angaben mehrmals gefoltert worden.

Über 16 Jahre haben sich die Prozesse hingezogen, drei Mal wurde sie freigesprochen, und von anderen Instanzen wieder verurteilt. Selek hielt sich inzwischen in Frankreich auf. Die Prozesse entsprachen nach Meinung zahlreicher europäischer Beobachter in keiner Weise rechtsstaatlichen Prinzipien. Die einhelligen Expertenmeinungen, nach denen es sich um eine Gasexplosion gehandelt haben soll, die auf eine lecke Gasflasche zurückzuführen sei, erhielten kaum Beachtung in den Prozessen. Am vergangenen Mittwoch hat nun das Kassationsgericht in Ankara die lebenslange Freiheitsstrafe, die 2013 erneut verhängt worden ist, außer Kraft gesetzt. Das Gericht begründete dies mit dem illegitimen Zustandekommen des Urteils. Damit ist das Verfahren allerdings noch nicht abgeschlossen, sondern muss neu aufgerollt werden.

Der Fall Selek unterstreicht erneut die Wichtigkeit einer unabhängigen und rechtsstaatlich verfahrenden Justiz. Zugleich wird die Wirkkraft einer internationalen kritischen Öffentlichkeit deutlich, welche die umstrittenen Verfahren über die Jahre hinweg mit Engagement und kritischem Protest verfolgt haben.

Bericht zur Jahrestagung 2014 des PEN-Zentrums Deutschland

Vom 15. bis 18. Mai fand die Jahrestagung des PEN-Zentrums Deutschland  in Schwäbisch Hall statt. Während des viertägigen Treffens wurden nicht nur 25 Autorinnen und Autoren in die Schriftstellervereinigung aufgenommen, sondern auch Christoph Hein einstimmig zum neuen Ehrenpräsidenten gewählt. Hein war von 1998 bis 2000 Präsident des damals frisch wiedervereinigten deutschen PEN.

Darüber hinaus bestimmten aktuelle politische und literaturpolitische Entwicklungen die Jahrestagung. So zeigen sich die Mitglieder in ihren Resolutionen besorgt über die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine (zur Resolution) und unterstützen das gemeinsame Bemühen der PEN-Zentren Russlands und der Ukraine zu einer friedlichen Lösung (zur Resolution). Zudem protestieren sie vehement gegen die Strafanzeige des türkischen Premierministers Erdogan gegen den Journalisten Can Dündar (zur Resolution) und positionieren sich mit einem Zehn-Punkte-Manifest zum Urheberrecht (zur Resolution).

In einem ausführlichen Artikel berichtet Regula Venske, Generalsekretärin des PEN-Zentrums Deutschland, ausführlich über die Jahrestagung; für die Deutsche Welle berichtet Jochen Kürten. Unter folgendem Link kann zudem eine Foto-Serie abgerufen werden.

Nachlese zur Ausstellungseröffnung

Werbeplakat-Lich-A4Am vergangenen Samstag wurde im Rahmen einer gut besuchten Vernissage unsere Ausstellung “Von Rebellen, Ketzern, Träumern und Tollköpfen. Meinungsfreiheit und Zensur weltweit” in der VHS Kreis Gießen in Lich eröffnet. Landrätin Anita Schneider sprach zu diesem Anlass ein Grußwort, in dem sie die grundlegende Bedeutung von Meinungs- und Pressefreiheit für freie Gesellschaften herausstellte. Torsten Denker, Programmbereichsleiter der VHS stellte alsdann unsere Vereinsarbeit vor, bevor unser Mitglied Leslie Kuhlmann die Anwesenden inhaltlich in die Ausstellung einführte. Nach einer ersten Erkundung gab es für die Gäste die Möglichkeit, sich bei einer Tasse Kaffee über die gesammelten Eindrücke auszutauschen und sie auf dem Platz der Meinungsfreiheit niederzuschreiben.

Dass sowohl die Vorbereitung unserer Ausstellung so problemlos funktioniert als auch in Form der Vernissage einen passenden Rahmen gefunden hat, liegt ganz wesentlich am besonderen Engagement Torsten Denkers. Ihm möchten wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit danken. Ein großes Dankeschön gebührt auch dem Gießener Künstler Pjervoj Ogonjok, der uns verschiedene Exponate zur Verfügung gestellt hat, die der Ausstellung einen besonderen ästhetischen Reiz verleihen.

Die Ausstellung kann noch bis zum einschließlich 25. Juli 2014 zu den Öffnungszeiten der VHS besucht werden. Was die Presse zu Ausstellung und Vernissage denkt, kann hier nachgelesen werden:

Gießener Anzeiger (auch als pdf-Datei)

Gießener Allgemeine (auch als pdf-Datei)

Mittelhessen.de

Sonntag-Morgenmagazin (Ausgabe Gießen Land – Butzbach – Lich – Grünberg)