Tsering Woeser – China

Tsering Woeser wurde 1966 in Lhasa geboren. Ihre Eltern waren loyale Kommunisten, der Vater ein tibetisch-chinesischer Vize-Kommandeur der Chinesischen Volksbefreiungsarmee. In Chengdu (Sichuan) besuchte sie die Oberschule sowie die Universität. Sie merkte schnell, dass sie zu einer Minderheit gehörte und begann, verbotene Schriften zu lesen: „Da standen Dinge, die das Gegenteil von dem waren, was man uns gelehrt hatte.“

Nach Abschluss des Studiums wurde sie Redakteurin einer literarischen Zeitung in Lhasa, wo sie mit Mönchen ins Gespräch kam, die ihr von der Niederschlagung der Proteste in Tibet 1989 erzählten. Diese Gespräche prägten sie nachhaltig. Nachdem sie ihren Arbeitsplatz verloren hatte, ging sie nach Peking, wo sie den chinesischen Schriftsteller Wang Lixiong heiratete.

Internationale Berühmtheit erlangte sie durch ihr Buch Notes on Tibet, einer im Jahre 2003 veröffentlichten Sammlung von Geschichten über die tibetische Kultur. Obwohl das Buch auch in China Bestseller-Status erreichte, wurde es von der chinesischen Regierung verboten und Woeser wegen darin enthaltener „politischer Fehler“ aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen – mit der Begründung, die im Buch dargelegten Ansichten seien „schädlich für die Einheit und den Zusammenhalt der Nation“. Einen im Jahr 2007 in Norwegen verliehenen Preis konnte sie nicht entgegennehmen, weil die Behörden ihr einen Reisepass verweigerten, da sie angeblich eine Gefahr für die Staatssicherheit Chinas darstelle. Ihre Bücher dürfen seither in China nicht mehr veröffentlicht werden.

2005 nutzte Woesers die einzige Möglichkeit zur Meinungsäußerung, indem sie Internet-Blogs über Tibet (Essays/Berichte) veröffentlichte, in denen sie totgeschwiegene Themen anspricht, welche jedoch immer wieder gelöscht wurden. Im Mai 2005 ließ Tsering Woeser bekannt werden, dass ihre E-Mail- und Skypeaccounts gehackt wurden, wozu ein Netzwerk nationalistischer chinesischer Hacker (Chinese Hongke Alliance) sich bekannte.

Zwei Jahre später, im Mai 2010, wurden ihre Skypeaccounts erneut gehackt und versucht, ihr und ihren Unterstützern Viren zu schicken. Auf diese Weise wird es ihr schwer gemacht, sich öffentlich zu äußern und Zuspruch von ihren Unterstützern zu erhalten. In einem Interview mit Radio Free Asia’s Website sagte Woeser 2006:

“Though my blogs are shut down, they cannot Stopp my speech and my writing.“

Letzter Stand: Ausstellung 2010