Zum „Writers-in-Prison-Day“ am 15. November veranstaltet die Initiative „Gefangenes Wort“ erneut Bücherflohmarkt

02.11.2011 Gießener Anzeiger

GIESSEN (olz). „Es ist ein absoluter Luxus, dass in vielen Ländern Meinungs- und Pressefreiheit herrschen“, sagt Julia Richter, die sich in diesem Jahr an der Organisation des Bücherflohmarktes zum „Writers-in-Prison-Day“ am 15. November beteiligt.. Ziel des Flohmarktes, der am 14. und 15. November im Pausenraum des Rathauses und am 16. und 17. November im Foyer des Philosophikum I veranstaltet wird, ist es, unterdrückten Autoren zu helfen.

Vier Mitglieder der Initiative2011 geht der Erlös aus dem Bücherverkauf, der bereits 2008 an der Justus-Liebig-Universität ins Leben gerufen wurde, an den weißrussischen Journalisten Dzimitry Bandarenka. Hierzulande ist diese Situation schlicht unvorstellbar: Weil er sich im Umfeld der Präsidentenwahl im Dezember 2010 in seinem Heimatland Weißrussland an einer Demonstration gegen die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko beteiligt hat, wurde der Journalist Dzimitry Bandarenka zu zwei Jahren Strafkolonie verurteilt. Und es soll gesundheitlich schlecht stehen um den jahrelangen Regimekritiker und Berater des Oppositionskandidaten Andrej Sannikow.

Grund genug für die studentische Initiative „Gefangenes Wort“, die sich anlässlich des Uni-Seminars „Literaturpolitik, Literaturevent, Literaturereignis“ von Prof. Sascha Feuchert 2008 gegründet hatte, die diesjährigen Erlöse des längst etablierten Bücherflohmarktes Bandarenka zukommen zu lassen. Die Vorbereitungen laufen schon seit geraumer Zeit, und längst haben sich die Studierenden bemüht, Kontakt mit der in Polen lebenden Tochter des Inhaftierten aufzunehmen, um zu ermitteln, wie dem Journalisten geholfen werden kann. Übrigens: Der weißrussische Präsident Lukaschenko gilt als letzter Diktator Europas und zudem verhängt Weißrussland als einziges europäisches Land noch die Todesstrafe. Doch auch wenn Bandarenka 2011 im Fokus der Initiative – die in jedem Jahr die Patenschaft für einen bedrohten Autor übernimmt – steht, wollen die Studierenden mit einer den Flohmarkt flankierenden Ausstellung auch auf Schriftsteller-Schicksale in der ganzen Welt hinweisen. „Man macht sich keine Vorstellung davon, wie viele Schriftsteller weltweit im Gefängnis sitzen“, erklärt Richter, die zusammen mit Kathy Gareis, Lars Meuser und Benjamin Kling der mittlerweile über 20 Mitglieder umfassenden Initiative angehört. Im Gespräch mit dem Anzeiger erklären die vier Studenten, dass inhaftierte Autoren nicht nur durch die Verkaufserlöse des Flohmarktes, sondern auch durch Unterschriftenaktionen und Petitionen an die jeweils zuständige Regierung unterstützt werden. Auf den Internetseiten der Autorenvereinigung P.E.N. (Poets, Essayists, Novellists) und von Amnesty International arbeiten sich die Mitglieder von „Gefangenes Wort“ – auch Nicht-Studierende gehören dazu – in die Fälle ein. In Sachen Flohmarkt zum „Writers-in-Prison-Day“, der von P.E.N. ins Leben gerufen wurde, ist die Initiative natürlich auf Spenden angewiesen und bislang kann sich die Resonanz sehen lassen. Rund 60 Bananenkisten voller Bücher sind mittlerweile zusammengekommen. Wer sich an der Aktion beteiligen will, der hat jedoch nach wie vor Gelegenheit dazu: Bücher werden dienstags von 15 bis 19 Uhr und donnerstags von 10 bis 14 Uhr im Literarischen Zentrum in der Lonystraße 2 und montags bis donnerstags von 11 bis 15 Uhr im Philosophikum I in den Räumen 140a und 141 angenommen. Zudem ist am kommenden Samstag von 9 bis 15 Uhr ein gesonderter Abgabetermin im Literarischen Zentrum eingerichtet. Die Organisatoren bitten jedoch darum, auf die Spende von Zeitschriften und Bildbänden zu verzichten und stattdessen Belletristik und neuere Sachbücher zur Verfügung zu stellen. Der Flohmarkt, zu dem im letzten Jahr etwa 6000 Bücher gespendet wurden, ist an den Verkaufstagen von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Informationen sind unter www.gefangenes-wort.de zu finden, und wer mitmachen möchte bei der Initiative: Auch Nicht-Universitätsangehörige können sich beteiligen.